Von Manfred Weghenkel

Lang, lang ist’s her. Damals im September 1960 lernten wir uns kennen als frisch immatrikulierte Studenten der seinerzeitigen Arbeiter-und-Bauern-Fakultät (ABF) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Zwei Jahre später gingen wir mit dem Abitur in der Tasche auseinander, um ein Hochschulstudium aufzunehmen. Danach das Berufsleben vorwiegend in der Technik – bei jedem etwas anders. Viele Kontakte blieben bestehen und haben bis heute über mehr als sechs Jahrzehnte gehalten. Wow! Auch wenn einige der Kommilitonen leider nicht mehr leben, so etwas wie das Fähnlein der (mehr als) sieben Aufrechten ist geblieben. Nach immerhin 66 Jahren seit Beginn unserer Bekanntschaft, ja Freundschaft trafen sich vom 19. bis 21. Mai 2026 acht von ihnen mit Partnerinnen in der schönen Saale-Unstrut-Weinbauregion zum schon traditionellen ABF-Klassentreffen. Diesmal mit 17 Teilnehmer:innen. Was gab es dabei zu sehen und zu erleben?

Fantastischer Anblick: das Städtchen Freyburg mit Rathaus, Marienkirche und Neuenburg

Idyllisch direkt am Weinberg gelegen: Rebschule – Hotel & Tapasbar in Freyburg

Ganz wichtig bei einem solchen Wiedersehens-Event mit touristischem Programm ist, wie Mitorganisator Wolfgang Tänzer aus eigener Erfahrung berichtete, „das geeignete Hotel zu finden, das neben den allgemeinen Vorzügen, wie Lage, Erreichbarkeit, Ambiente, Zimmerqualität, Gastronomie und Personal, einen separaten Raum für gemütliches Beisammensein, kleine künstlerische Darbietungen und interessante Präsentationen vorhält.“

Wolfgang Tänzer berichtete von der Arbeit des Jenaer Org.-Teams

Wir fanden es in dem lieblich-liebenswerten Winzerstädtchen Freyburg (Unstrut). Vor zwei Jahren waren wir schon einmal hier in der „Rebschule“ gewesen – ein Drei-Sterne-Haus direkt über einem Weinberg in der Lage Ehrauberge. Inzwischen hat das Hotel einen neuen Betreiber, der nun seine eigenen Akzente setzt. Der in Freyburg verwurzelte Koch und bisherige Barbesitzer Uwe Marquardt bringt ein modernisiertes Gastronomie-Konzept sowie ein rundum neues Design für die Räumlichkeiten mit. Auch sind Umbaumaßnahmen, frische Event-Ideen und die stärkere Nutzung regionaler Produkte geplant.

Im Hotel-Restaurant war die Gruppe morgens und abends in gemütlicher Runde vereint

Eine gern benutzte Attraktion des Hotels „Rebschule“ ist die große Terrasse, die einen wunderschönen Panoramablick über die Weinlandschaft bis hin nach Naumburg an der Saale ermöglicht.

Alle frohgemuten 17 Teilnehmer:innen des ABF-Klassentreffens 2026 auf der Hotelterrasse

Und diese nur knapp 10 Kilometer von Freyburg entfernte 32.000 Einwohner zählende Stadt im Süden Sachsen-Anhalts war auch unser erstes Ausflugsziel am zweiten Tag des Treffens. Hauptsehenswürdigkeitl: der im 13. und 14. Jahrhundert in mehreren Bauabschnitten errichtete Naumburger Dom St. Peter und Paul – eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler Deutschlands. Besonders außergewöhnlich ist die Verbindung von spätromantischer Architektur und früher Gotik.

Der prächtige Dom von der Rückseite

Kaum angekommen, beeindruckte uns die gewaltige Silhouette des Doms. Die mächtigen Türme, die kunstvollen Steinmetzarbeiten und die besondere Atmosphäre versetzten uns sofort in eine andere Zeit.

Während der Führung wurde Geschichte lebendig. Mit viel Wissen und einer guten Portion Humor erzählte unsere Gästeführerin Katharina Kloß von Bischöfen, Baumeistern und den Menschen, die den Dom über Jahrhunderte geprägt haben. Besonders hervorzuheben: der legendäre, in der Mitte des 13. Jahrhundert wirkende Naumburger Meister – ein namentlich unbekannter Steinbildhauer, dessen zwölf Stifterfiguren im Westchor des Naumburger Doms sowie der vorgelagerte Lettner als sein Hauptwerk gelten.

Zu ihnen hinauf blickend: Ekkehard und Uta in erhöhter Position

Natürlich durften auch die berühmten Stifterfiguren Ekkehard und Uta –lebensgroße Skulpturen – nicht fehlen. Viele von uns staunten über die verblüffend lebensechte Darstellung und die feinen Details, die den Bildhauern schon vor rund 800 Jahr gelungen waren. Markgraf Ekkehard II. von Meißen und seine Frau Uta von Ballenstedt waren ein adliges Ehepaar, das kinderlos blieb. Ihr Vermögen stifteten für den Bau der Kirche.

Auch Elke erfreute sich an einem der berühmten großen, farbig und reich illustrierten Naumburger Chorbücher aus der Zeit um 1500
Modernes Glaskunstfenster von Thomas Kuzio (geb. 1959) in der Taufkapelle
Bronzener Kerzenleuchter „LUX VITA EST“ (Licht ist Leben), 2003, von Heinrich Apel

Beim Rundgang durch das eindrucksvolle Gotteshaus mit einer Länge von 66 Metern und einer Turmhöhe von bis zu 52 Metern entdeckten wir immer neue Details – farbenprächtige Glasfenster, kunstvolle Gewölbe und stille Ecken, die zum Innehalten einluden. Geschichte war hier nicht nur zu sehen, sondern förmlich zu spüren.

Unsere Guide erklärte, dass jährlich etwa 200. 000 Besucher hierher kommen und der Naumburger Dom seit 2018 UNESCO-Welterbe ist. Für August 2026 sei die Eröffnung des „Zentrums Welterbe“ gegenüber dem Dom in der historischen ehemaligen Bichofskurie geplant. Das ist ein neues Besucher- und Informationszentrum mit mehrsprachiger Ausstellung, Veranstaltungsräumen und einem historischen Garten. Und ab September soll es im neuen Welterbezentrumeine eine modernisierte Ausstellung zum legendären Naumburger Meister geben.

Nach so vielen überwältigenden historisch-kulturellen Eindrücken ging es nach dem Mittag wieder zurück nach Freyburg an der Unstrut. Schon der Name dieses knapp 4.500 Einwohner zählenden Städtchens klingt nach Wein, Landschaft und Genuss. Und wer hier unterwegs ist, kommt an einem berühmten Namen kaum vorbei: Rotkäppchen. Für unsere Reisegruppe war der Besuch der Rotkäppchen-Erlebniswelt deshalb eine besonders prickelnde Station.

Der Eingang zum historischen Rotkäppchen-Areal mit der vielbesuchten Erlebniswelt

Schon beim Betreten der historischen Sektkellerei wurde deutlich: Hier geht es längst nicht mehr nur um eine Flasche Sekt im Supermarktregal. Auf rund 1.400 Quadratmetern und über zwei Ausstellungsebenen wird die Geschichte der Marke erzählt – interaktiv, unterhaltsam und mit zahlreichen Möglichkeiten zum Mitmachen. Rund 50 Ausstellungsstücke laden zum Entdecken, Anfassen und Ausprobieren ein.

Der Autor und Fotograf dieses Beitrages gönnt sich im Garten mal eine kleine Pause

Der Rundgang beginnt mit einem Blick zurück. Die Geschichte der Sektkellerei reicht bis ins Jahr 1856 – eine Zahl, die während des Besuchs immer wieder auftaucht. Die historische Kellerei selbst steht in Freyburg seit 1887 und ist eng mit der langen Weinbautradition der Saale-Unstrut-Region verbunden.

Für die Besucher heißt es dabei nicht einfach nur: zuhören und weitergehen. Die Ausstellung ist ausdrücklich zum Mitmachen gedacht. An verschiedenen Stationen kann man sein Wissen testen, historische Entwicklungen nachvollziehen und sogar selbst Hand anlegen. Besonders beliebt ist die Rüttelstation – schließlich gehört das fachgerechte Rütteln traditionell zu den Arbeitsschritten bei der Herstellung von Qualitätsschaumwein.

Das spektakuläre Holzfass mit beeindruckenden Schnitzereien steht im Domkeller und hat ein Fassungsvermögen von 120.000 Litern, was etwa 160.000 Flaschen Sekt entspricht

Dann geht es in die historischen Kelleranlagen. Und hier wird es richtig beeindruckend. Die Keller reichen fünf Stockwerke tief in das Gestein. Früher lagerten hier Tausende Eichenfässer. Ein besonderer Blickfang ist das größte geschnitzte hölzerne Cuvéefass Deutschlands. Es wurde aus 25 Eichenstämmen gefertigt und bereits 1896 in Betrieb genommen. In Gebrauch war es noch bis 1935.

Zu der interaktiven rund 1.400 Quadratmeter großen Erlebniswelt gehört auch dieser zum Fotografieren animierende Ballonkorb. Egon Kirchner hob damit symbolisch ab in die Saale-Unstrut-Weinwelt. Im Hintergrund eine Fotowand mit dem faszinierenden Blick über Freyburg zur Neuenburg

Und natürlich kommt irgendwann die Frage auf: Wie gelangt eigentlich das Prickeln in die Flasche? Die Antwort darauf liefert die zweite Ausstellungsebene. Hier dreht sich alles um die traditionelle und moderne Sektherstellung. Aus dem vermeintlich einfachen Getränk im Glas wird plötzlich ein ziemlich komplexes Produkt – mit viel Geschichte, Handwerk und Know-how.

Besucher können die Erlebniswelt individuell z. B. mit kostenlosem Audioguide durchwandern oder an Gruppenführungen teilnehmen. Exklusive Führungen sind beispielsweise für 15 bis 25 Personen buchbar.

Natürlich wäre ein Besuch der Rotkäppchen-Erlebniswelt ohne eine zünftige Kostprobe vom edlen Getränk nicht ganz vollständig. Das wäre quasi wie Trockenschwimmen!

Bei den entsprechenden Führungen gehört ein Glas Sekt zum Erlebnis dazu; bei speziellen Verkostungstouren können sogar drei verschiedene Sekte der Flaschengärung probiert werden. Im geräumigen neuen Sektpavillon mit Bar genossen auch wir bei Kaffee und Kuchen das prickelnde Getränk namens Rotkäppchen. Ein kleiner Schluck, ein freundliches „Prost!“ – und schon war aus einer Besichtigung ein geselliges Erlebnis geworden. Krönender Abschluss unseres Besuches in der Erlebniswelt. Diese hat natürlich auch einen bestens sortierten Shop mit dem gesamten Rotkäppchen-Sortiment sowie zahlreiche Fan- und Geschenkartikel. Souvenirs, Souvenirs zur Erinnerung oder für die Lieben zu Hause…

Mit vielen neuen Informationen, schönen Reminiszensen und bester Stimmung fuhren wir zurück zum Hotel „Rebschule“, wo es nach dem Abendessen noch einmal ein lockeres, gemütliches Beisammensein gab. Alle waren sich einig, auch im nächsten Frühjahr soll es wieder ein informatives, erlebisreiches ABF-Klassentreffen geben – dann also schon ein freudiges Wiedersehen nach 67 (!) Jahren…

Text, Layout und Fotos (28): Manfred Weghenkel

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