Von Manfred Weghenkel
Nun ja, wenn von einer Donau-Kreuzfahrt die Rede ist, denkt man gemeinhin an die beliebten Mehrländer-Schiffsreisen auf Europas zweitgrößtem Strom, der Donau. Hier geht es allerdings um eine wunderschöne Tagestour mit dem Fahrgastschiff „Donau“ der Reederei Kutzker von Berlin-Köpenick nach Grünheide (Mark) und zurück. Es ist die in der Eiszeit entstandene faszinierende Wald- und Wasserlandschaft südöstlich von Berlin, bekannt für ihre zahlreichen Seen, Kanäle und Hügel sowie ihre gepflegten Ansiedlungen und Grundstücke in Sichtweite der Ausflugsschiffe. Eine solche informativ-erlebnisreiche Rundreise mit dem MS „Donau“ unternahmen am 1. August mehr als 30 Reisejournalisten der Vereinigung CTOUR und ihre Gäste. Beim in Berlin beheimateten Club der Tourismusjournalisten haben solche Sommertouren bereits seit längerem Tradition. Was gab es diesmal zu sehen und zu erleben?
Start des Ausflugsschiffes bei leider trübem Wetter kurz nach 09:30 Uhr war in der Köpenicker Lindenstraße neben dem Platz des 23. April. Michael Kutzker, Eigentümer der in Grünheide ansässigen Reederei und exzellenter Kenner der Region, war diesmal selbst der Schiffsführer.



Die Reederei Kutzker ist ein Familienbetrieb, der traditionell schon seit 1910 Berliner und Brandenburger Gewässer befährt. Heute betreibt sie fünf Fahrgastschiffe, die traditionsgemäß alle nach bekannten deutschen Flüssen benannt sind: Donau, Spree, Mosel, Elbe, Löcknitz. Die „MS Donau“ (das größte Schiff der Flotte) wurde 1987 auf der VEB Yachtwerft Berlin gebaut und war in Schwerin für die „Weiße Flotte“ im Einsatz. Nach dem Kauf durch die Reederei Kutzker 2012 fährt das 32,10 Meter lange und 5,10 Meter breite Schiff unter dem Namen „Donau“ überwiegend größere Gesellchaften zu ihren Wunschzielen. Es verfügt über 94 Innenplätze und 100 Außenplätze sowie über eine leistungsfähige Bordgastronomie. Davon konnten sich auch die Gäste dieser Tour überzeugen. Das Personal war schnell und freundlich.

Nach dem branchenüblichen Ruf „Leinen los!“ begrüßte der Kutzker-Chef die erwartungsvollen Fahrgäste herzlich an Bord zu dieser „kleinen, aber feinen Seereise“. Der Reederei-Chef informierte die Medienschaffenden während der gesamten Hin- und Rückfahrt über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten rechts und links der etwa 25 Kilometer langen Fahrtroute. Sie verlief von der Altstadt Köpenick über die Müggelspree, den Großen Müggelsee (größter See Berlins), Neu-Venedig, Dämeritzsee, Flakensee, Löcknitz bis zur Gemeinde Grünheide in der Mark Brandenburg. Grünheide ist ja neuerdings recht bekannt geworden durch die Tesla-Gigafactory von Elon Musk.



Schön, dass es auf der Schiffstour in Grünheide auch eine zweistündige Pause zum Flanieren und Mittagessen gab. Eingekehrt wurde dabei in dem direkt am Peetzsee gelegenen Wirtshaus Heidereuter. Die große Restauration mit Biergarten bietet vor allem altdeutsche Küche und legt Wert auf herzliche Atmosphäre. Gefragt bei den „Donau“-Schiffstouristen waren insbesondere Hamburger Schnitzel, Thüringer Rostbrät’l, Bauernfrühstück und Zanderfilet.


Auf der leicht veränderten Rückfahrtroute Richtung Berlin kamen noch einige andere Punkte dazu, so die Gemeinde Rüdersdorf bei Berlin mit dem Museumspark und die berühmte Schleuse Woltersdorf. Sie verbindet den Kalksee mit dem Flakensee und hat eine Fallhöhe von 2,10 Metern. Von der Besucherbrücke aus winkten zahlreiche Schaulustige den Schiffstouristen zu.


Übrigens, Woltersdorf gehört, wie Reeder Michael Kutzker erzählte, zu den bedeutenden, heute aber oft vergessenen Orten der frühen deutschen Filmgeschichte. Zwischen 1918 und den frühen 1920er Jahren ließ der Filmproduzent Joe May dort eine große Filmstadt errichten. Hier entstanden monumentale Stummfilme, wie „Das indische Grabmal“ und der „Tiger von Eschnapur“. Berühmte Schauspieler wie Emil Jannings und Lil Dagover arbeiteten hier. Die Landschaft mit Kalksee, Wäldern und Steinbrüchen bot ideale Naturkulissen, weswegen Woltersdorf zeitweise als „Klein-Hollywood“ galt. Heute erinnert eine Dauerausstellung im historischen Aussichtsturm auf dem Kranichsberg an diese spannende Filmgeschichte.

Als ein Highlight der Tagesreise gilt immer wieder die Schiffspartie durch Neu-Venedig. Sie gehört zu den schönsten Wassererlebnissen im Berliner Südosten. Das Gebiet liegt zwischen der Müggelspree, Rahnsdorf und dem Dämeritzsee bei Erkner und trägt seinen Namen völlig zu Recht: Statt Straßen prägen schmale Kanäle, kleine Brücken, Bootshäuser und gepflegte Ufergrundstücke mit teilweise beeindruckenden Villen das Bild.

Bemerkenswert ist auch die Entstehungsgeschichte. Ab 1926 wurden ehemalige Spreewiesen entwässert und ein rund fünf Kilometer langes Kanalsystem geschaffen. Dadurch entstanden sechs Inseln, die durch zahlreiche Brücken miteinander verbunden sind. Ursprünglich war die Siedlung als Wassersport- und Wochenendparadies gedacht. Heute befinden sich die meisten Grundstücke in Privatbesitz. Bekannt ist, dass sich hier zahlreiche Prominente niedergelassen haben. Vom Schiff aus erlebt man Neu-Venedig aus einer exponierten Perspektive, die vom Land kaum möglich ist. So gesehen, ist die Passage durch Neu-Venedig für viele Fahrgäste der landschaftliche Höhepunkt der Tour. Zum Glück spielte nun auch die Sonne wieder etwas mit.

Nach insgesamt mehr als 50 Kilometern zurückgelegter Strecke zwischen der Millionenstadt Berlin und der kleinen Gemeinde Grünheide (Mark) im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree endete diese hochinteressnte, spannende und zugleich entspannende „Donau“-Kreuzfahrt kurz vor 18 Uhr wieder an der Anlegestelle der Reederei Kutzker in Köpenick.

Fazit: Diese trotz Wetterkapriolen attraktive Naturreise zwischen Metropole und Märkischem Land zeigt eindrucksvoll, wie schnell Berlin in eine stille, ruhige Seen- und Waldlandschaft übergeht. Gerade dieser Kontrast macht den besonderen Reiz der Strecke aus. Und für die Reisejournalisten ergaben sich ganz bestimmt vielfältige Anregungen für Artikel, Blogs, Fotos, Videos und andere Veröffentlichungen. Nicht zuletzt wurde die vom CTOUR-Präsidium gut organisierte Sommertour 2026 auch zu vielen Fachgesprächen untereinander und zum professionellen Networking genutzt. So soll es sein.
Vielen Dank für die schöne Tour – auf Wiedersehen und allzeit gute Fahrt. Ahoi!
Text und Fotos (14): Manfred Weghenkel





































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