Von Manfred Weghenkel
Mit der ersten bdo-Tourismus-Werkstatt und der Premiere der Auszeichnung „Top Bus Destination 2026“ hat die Busreisebranche am 6. Oktober in Berlin neue Akzente gesetzt. Im Mittelpunkt standen der fachliche Austausch, neue touristische Kooperationen und die Frage, was ein Reiseziel für Busunternehmen und ihre Gäste besonders attraktiv macht. Der Reisebus ist ein Klassiker des Tourismus. Als veritabler Wirtschaftsfaktor generiert der Bustourismus einen jährlichen Bruttoumsatz von 14,5 Milliarden Euro. Er bringt Urlauber und Touristen sicher, komfortabel, flexibel und umweltfreundlich zu historischen Städten, berühmten Sehenswürdigkeiten, kulturellen Veranstaltungen und großen Erlebniswelten.

Doch längst nicht jedes attraktive Reiseziel ist auch für Busreisegruppen gut organisiert. Wo kann der Bus halten? Wo steigen die Fahrgäste bequem aus? Gibt es ausreichend Parkplätze, vernünftige Aufenthaltsmöglichkeiten für die Fahrer und einen Ansprechpartner, der sich mit den besonderen Anforderungen des Bustourismus auskennt?
Solche Fragen standen im Mittelpunkt einer Veranstaltung, die der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) am 6. Oktober erstmals in Berlin ausrichtete. Mit der neuen Tourismus-Werkstatt und der erstmaligen Verleihung der Auszeichnung „Top Bus Destination 2026“ wollte der Verband die Zusammenarbeit zwischen Busunternehmen und touristischen Anbietern stärken. Die Botschaft dahinter: Gute Bustouristik braucht nicht nur attraktive Ziele, sondern auch Gastgeber, die auf die Bedürfnisse von Busreisenden eingestellt sind. Veranstaltungsort war das Colosseum Event Berlin in Prenzlauer Berg.


Von 12 bis 18 Uhr bot die Tourismus-Werkstatt Gelegenheit, sich über neue Angebote, touristische Trends und konkrete Kooperationsmöglichkeiten auszutauschen. Rund 38 Unternehmen, Destinationen und touristische Anbieter präsentierten ihre Leistungen. Zum Teilnehmerkreis gehörten Busunternehmen und Reiseveranstalter ebenso wie Vertreter von Tourismusorganisationen, Hotels, Freizeit- und Kultureinrichtungen sowie branchennahen Dienstleistern. Das Konzept setzte auf die Verbindung von Fachprogramm, Ausstellung und persönlichen Gesprächen. Denn gerade in der Bustouristik kommt es darauf an, dass die verschiedenen Partner ihre Angebote aufeinander abstimmen. Ein Museum benötigt andere Voraussetzungen als ein Freizeitpark, eine historische Altstadt andere als ein Hotel oder eine touristische Region. Wer Gruppenreisen erfolgreich organisieren will, muss diese unterschiedlichen Anforderungen möglichst früh berücksichtigen. Die Werkstatt sollte deshalb nicht nur Informationen vermitteln, sondern auch neue Kontakte ermöglichen. Für Busunternehmen bietet sich damit die Chance, bislang unbekannte Ziele kennenzulernen und ihr Reiseprogramm um neue Ideen zu erweitern. Die touristischen Anbieter wiederum konnten erfahren, welche Leistungen für die Busbranche tatsächlich wichtig sind und wo sich ihre Angebote verbessern lassen.

Ein wichtiger Programmpunkt war die Vorstellung der wissenschaftlich fundierten Studie „Wirtschaftsfaktor Bustourismus in Deutschland“ durch Dr. Bernhard Harrer vom renommierten Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr (dwif) mit Sitz in München und Berlin. Ausgehend von der Tatsache, dass der Bustourismus hierzulande für 14,5 Milliarden Euro Umsatz sorgt, beleuchtet die im Auftrag des bdo erstellte Studie die wirtschaftliche Bedeutung des Busses und seine Wertschöpfungseffekte für Reiseziele und touristische Betriebe. Damit rückte auch eine grundsätzliche Frage in den Fokus: Welchen Beitrag leisten Busreisen für die regionale Wirtschaft, für Hotels und Gastronomie sowie für Freizeit- und Kultureinrichtungen?

Natürlich widmete sich die Tourismus-Werkstatt des bdo auch dem brandaktuellen Thema Künstliche Intelligenz (KI). Der Münchener Unternehmer und Dozent Timm Rotter, Geschäftsführer der disruptive GmbH, hielt dazu einen locker-lebendigen, vielbeachteten Vortrag mit dem Titel „KI im Bustourismus: Potenziale erkennen & Chancen nutzen“. Er analysierte die neben der auch in der Busbranche bereits vielbenutzten Plattform ChatGPT empfehlenswerten KI-Basistools Qwen, Gemini, Copilot, Mistral und Claude.

Insbesonde richtete KI-Experte Rotter den Fokus auf den agentengestützten Codierassistenten „Claude Code“ von Anthropic, der direkt im Terminal, in der Desktop-App oder im Browser arbeitet. Busunternehmen und Reiseveranstalter können damit durch Eingabe entsprechender Prompts vielfältige Aufgaben zuverlässig und schnell erledigen.


Den Höhepunkt der Premiere bildete die erstmalige Verleihung der „Top Bus Destination 2026“. Der neue Wettbewerb zeichnet Reiseziele aus, die sich besonders auf die Bedürfnisse von Busunternehmen und ihren Fahrgästen einstellen. Dabei geht es ausdrücklich nicht nur um Bekanntheit oder touristische Attraktivität. Ebenso wichtig sind eine unkomplizierte Anfahrt, geeignete Haltemöglichkeiten, eine funktionierende Infrastruktur und ein Service, der den Aufenthalt für alle Beteiligten erleichtert. Die Auszeichnungen wurden in drei Kategorien vergeben: Städte und Regionen, Erlebniswelten sowie Sehenswürdigkeiten. Aus insgesamt neun Finalisten gingen Bremerhaven, der Europa-Park und die Leuchtenburg als Gewinner hervor.

In der Kategorie Städte und Regionen überzeugte Bremerhaven. Die Seestadt bietet mit ihren maritimen Attraktionen ein vielseitiges Programm für Gruppenreisen. Kurze Wege zu den touristischen Angeboten, zentrale Busausstiege und ein eigener Ansprechpartner für Busreiseveranstalter erleichtern die Organisation. Hinzu kommen individuell planbare Programme rund um Hafenleben, Kultur und Genuss. Das Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, touristische Vielfalt mit einer funktionierenden Organisation für Reisegruppen zu verbinden. Bei den Erlebniswelten setzte sich der Europa-Park im baden-württembergischen Rust durch. Der große Freizeitpark verfügt über spezielle Angebote für Busgruppen, digitale Anmeldemöglichkeiten und eine eigene Buskasse. Auch die Bedürfnisse des Fahrpersonals werden berücksichtigt: Ein Busfahrerhaus, freier Eintritt und Gutscheine gehören zu den genannten Leistungen. Gerade bei einem längeren Aufenthalt kann es einen Unterschied machen, ob nicht nur die Gäste, sondern auch die Fahrer vernünftige Bedingungen vorfinden.
In der Kategorie Sehenswürdigkeiten ging die Auszeichnung an die Leuchtenburg bei Seitenroda in Thüringen. Die auf einem Berg gelegene Burg verbindet historische Atmosphäre mit einem modernen touristischen Angebot. Ein barrierefreier Schrägaufzug, eine zeitgemäß ausgestattete Talstation mit Service- und Aufenthaltsbereichen sowie zehn kostenlose Busparkplätze, für die keine Vorabreservierung erforderlich ist, erleichtern den Besuch. Damit zeigt die Leuchtenburg, dass auch einzelne Kulturdenkmäler mit gezielten Investitionen und einem durchdachten Service gute Voraussetzungen für den Bustourismus schaffen können.

Neun Kandidaten, unterschiedliche Konzepte Neben den drei Gewinnern standen sechs weitere Destinationen im Finale: Essen und die Lutherstadt Wittenberg in der Kategorie Städte und Regionen, die Autostadt Wolfsburg und Oskarshausen bei den Erlebniswelten sowie die Marksburg und die Welterbestätte Corvey in der Kategorie Sehenswürdigkeiten. Die Auswahl macht deutlich, wie unterschiedlich busfreundlicher Tourismus aussehen kann. Für eine Großstadt stehen andere Herausforderungen im Vordergrund als für einen Freizeitpark oder eine Burg. Bewertet wurden unter anderem Erreichbarkeit, Halte- und Parkmöglichkeiten, Service, digitale Angebote, Kooperationen und geeignete Programme für Busgruppen.


Der Wettbewerb lenkt damit den Blick auf Leistungen, die Reisende möglicherweise kaum wahrnehmen, die für die Planung einer Gruppenreise aber entscheidend sein können. Ein komfortabler Ausstieg, ein verlässlicher Ansprechpartner oder ein reservierungsfreier Busparkplatz mögen unspektakulär erscheinen. Für Reiseveranstalter können sie jedoch den organisatorischen Aufwand erheblich erleichtern. Ein Impuls für die Zukunft Die beiden Premieren ergänzen sich: Während die Tourismus-Werkstatt den fachlichen Austausch und neue Geschäftskontakte fördern soll, macht die Auszeichnung besonders busfreundliche Destinationen öffentlich sichtbar. Für die Gewinner bietet sie eine zusätzliche Möglichkeit, sich im Wettbewerb um Gruppenreisen zu profilieren. Andere touristische Anbieter erhalten Anregungen, ihre Infrastruktur und ihren Service zu überprüfen. Unterstützt wurde die erste Ausgabe des Wettbewerbs von MAN Truck & Bus Deutschland und Daimler Buses. Der bdo will das Format fortsetzen; für 2027 ist eine weitere Ausgabe vorgesehen. Ab dem Frühjahr sollen erneut Städte, Erlebniswelten und Sehenswürdigkeiten vorgeschlagen werden können oder sich selbst bewerben. Ob aus den beiden Premieren eine dauerhaft wirksame Initiative entsteht, wird sich allerdings erst in den kommenden Jahren zeigen. Entscheidend ist, ob die neuen Kontakte zu konkreten Kooperationen führen und die ausgezeichneten Qualitätsmerkmale auch andernorts Schule machen. Der Ansatz ist jedenfalls nachvollziehbar: Der Reisebus kann touristische Angebote miteinander verbinden, Gruppen bequem ans Ziel bringen und gerade für Kultur- und Städtereisen eine praktische Alternative sein. Dafür müssen die Rahmenbedingungen stimmen.

Mit der ersten Tourismus-Werkstatt und den „Top Bus Destinations 2026“ hat die Branche einen Versuch unternommen, genau diese Voraussetzungen stärker ins Bewusstsein zu rücken. Denn ein gutes Reiseziel erkennt man nicht allein an seinen Sehenswürdigkeiten. Es zeigt sich auch daran, wie willkommen sich eine Busgruppe fühlt – vom ersten Halt bis zur Abfahrt.
Übrigens, den krönenden Abschluss des Events bildete ein kommunikativer und geselliger „bdo-Abend der Buswirtschaft“ in der nostalgischen Arminiusmarkthalle in Berlin-Moabit, wo der Austausch zwischen Vertretern aus Wirtschaft, Tourismus und Politik fortgesetzt wurde.

Redaktion, Layout und Fotos (14): Manfred Weghenkel
Weitere Informationen: www.bdo.org









































Spannend einmal aus erster Hand zu erfahren, wer ihn unter welchen Bedingungen gebaut hat. Dieser Frage widmet sich nun ein Buch aus der Feder des damaligen Oberbauleiters Jürgen Ledderboge. Der inzwischen 88-jährige aus Sachsen stammende Baufachmann schildert in dieser verdienstvollen Publikation mit dem Titel „Friedrichstadtpalast – vom Neubau zum Denkmal“ als Insider und Zeitzeuge wesentliche Etappen in der Historie des legendären Revue- und Showtheaters. Das Buch mit 200 Seiten und zahlreichen Abbildungen wird im März 2025 im Passage-Verlag Leipzig erscheinen, kann aber schon jetzt dort bestellt werden.



