Von Manfred Weghenkel

„Ich geh‘ vom Nordpol zum Südpol zu Fuß“ – was Schlagerikone Frank Schöbel einst versprach, schafft nun in Berlin spielend eine Ausstellung: Die immersive, interaktive Multimedia-Schau „Polar Experience“ bringt beide Extreme der Erde unter ein Dach. Und das ohne klirrende Kälte und Schneesturmrisiko. Die am 5. Dezember in der Arena Berlin als Weltpremiere eröffnete Exposition macht auf kürzestem Weg die sich um die beiden Erdpole gruppierenden Regionen Arktis und Antarktis erstmals gleichzeitig erlebbar. Der faszinierende Rundgang zu den Eisbären und Pinguinen dauert nur etwa 45 Minuten, was zeigt: Der Weg zwischen den beiden über 12.000 Kilometer (Luftlinie) entfernten Polen ist kein Abenteuer mehr, sondern eine beeindruckende virtuell-visuelle Reise, die Lust auf mehr macht.

Der Eingangsbereich der Ausstellung in der denkmalgeschützten Arena in Berlin-Treptow

Eine Expedition ins ewige Eis, mitten in der Hauptstadt, ist also angesagt. Ein frostiger Dezemberabend. Die Spree glitzert im Dunkeln, und die alte Industriehalle der Arena Berlin verwandelt sich in ein Tor zu den kältesten Regionen unseres Planeten. Schon beim Betreten spürt man: Hier beginnt keine gewöhnliche Ausstellung, sondern eine multimediale Expedition. Natürlich steht ein erklärender Audioguide zur Verfügung.

Das Schneemobil ist das wichtigste Fortbewegungs- und Transportmittel im Eis. Es ist wendig, robust und zuverläsig auch bei – 40C°. Draufsitzen hier ausdrücklich erlaubt

Zwischen Backsteinwänden und Stahlträgern eröffnet sich eine Welt aus fantastischen 360°-Projektionen in der Haupthalle, interaktiven Stationen und Soundlandschaften, die die Besucher direkt in die Arktis und Antarktis katapultieren. Polarlichter tanzen über die Decke, während die Geräusche knackenden Eises und heulender Winde durch die Halle ziehen.

Arktischer Seeadler
Eisbär (Polar Bear)
Kaiserpinguin

Man bewegt sich nicht wie in einem Museum von Vitrine zu Vitrine, von Schautafel zu Schautafel, sondern tritt buchstäblich in die Fußstapfen von Polarforscher:innen, geht vorbei an Eisbären, Kaiserpinguinen, Ringelrobben, und Arktischen Seeadlern. Bei genauerem Hinsehen bemerkt man, dass diese künstlerisch gestalteten Eyecatcher-Skulpturen ein Innenleben aus Plastikabfällen haben – ein Hinweis auf die gefährdete Umwelt auch in den Polarwelten. Auf einer Infotafel steht: „Wusstest du, dass eine Plastikflasche bis zu 450 Jahre braucht, um sich zu zersetzen?“

Virtuelle Schlittenhunde begleiten den Weg, Forschungsdaten erscheinen als leuchtende Karten, und plötzlich steht man mitten in einem Schneesturm – simuliert, aber so real, dass die Gänsehaut nicht nur von der Kälte kommt.

Die Ausstellung ist immersiv (eintauchend, sich versenkend) und interaktiv (eingreifend, mitmachend): Kinder z. B. können – geführt von dem aus der Fernsehsendung Galileo Kids bekannten Maskottchen Cosmo – spielerisch die Tierwelt der Polarregionen entdecken.

Erwachsene erleben facettenreich die fragile Schönheit der Eislandschaften und die steigende Dramatik des Klimawandels.

Präsentiert von „ClimateXtremes“ und dem Wissensmagazin „Galileo“, verbindet die Schau wissenschaftliche Fakten mit emotionaler Inszenierung.

Anerkannter Polarforscher Prof. Dr. Markus Rex
Powerfrau Nicole Strock.Stanley
Berliner Spitzenpolitikerin Franziska Giffey
Indigene Arktis-Aktivistin und Naturschützerin Yaari Walker

Die Eröffnung am 5. Dezember war exklusiv geladenen Gästen aus Wissenschaft, Kultur und Medien vorbehalten. Auf dem Podium sprachen Nicole Strock.Stanley, die Erfinderin und Netzwerkerin der Ausstellung, Prof. Dr. Markus Rex, Polarforscher und Expeditionsleiter (Forschungsschiff „Polarstern“) vom Alfred-Wegener-Institut und Yaari Walker, Shamanin der Yupik und Repräsentantin für die Menschen der Arktis, sowie weitere Verantwortliche des Produktionsteams.

Auch Berlins Bürgermeisterin und Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey gab sich die Ehre und ein Statement ab. Einen musikalischen Beitrag leistete das Orchester der Schostakowitsch-Musikschule aus Berlin-Lichtenberg. Zum generellen Anliegen des Projektes sagte Master Mind Nicole Strock.Stanley: „Wir wollen Menschen jeden Alters erreichen und Begeisterung für Wissenschaft, Natur und unseren Planeten wecken.“

Am 6. Dezember öffneten sich die Tore für das Publikum. Die Stimmung: eine Mischung aus Staunen, Abenteuerlust und Nachdenklichkeit. Viele Besucher blieben lange stehen, ließen die Projektionen wirken, diskutierten über die Zukunft der Polarregionen.

In dieser riesigen Haupthalle werden fortlaufend endrucksvolle 360°-Projektionen gezeigt

Die Arena selbst – ein Industriedenkmal direkt an der Spree – erwies sich als perfekter Schauplatz. Die rauen Mauern kontrastierten mit den glitzernden Eiswelten, die Technik verwandelte die Halle in ein Portal ins ewige Eis. Die „Polar Experience“ ist keine Ausstellung zum schnellen Durchlaufen, sondern ein Erlebnis, das Kopf und Herz gleichermaßen anspricht. Sie macht die Extreme der Erde nahbar, weckt Abenteuerlust und sensibilisiert zugleich für den Schutz dieser einzigartigen Lebensräume, ja ruft zum schnellen, sofortigen Handeln auf. In diesem Sinne ist „Act Now“ auch das passende Motto des letzten Ausstellungsbereiches. Besucher:innen bekommen Impulse und Informationen, wie sie selbst zu Klima- und Umweltschutz beitragen können.

Bis zum 6. April 2026 bleibt Berlin das Basislager dieser Expedition – ein Ort, an dem man für ein paar Stunden die Stadt verlässt und sich in die Weiten der Arktis und Antarktis entführen lässt. Die Ticketpreise variieren. Ratsam ist, Zeitfenster zu buchen – dabei zahlen Erwachsene ab 20 Euro, Kinder & Jugendliche ab 14 Euro.

Frage zum Schluss: Ob der in Berlin-Mahlsdorf lebende, inzwischen 82-jährige Musikstar Frank Schöbel diesmal „Vom Nordpol zum Südpol zu Fuß“ geht, bleibt offen.

Text und Fotos (12): Manfred Weghenkel – Titelbild by KI / Copilot

Weitere Informationen: www.polarexperience.com