Von Manfred Weghenkel
Über 53 Milliarden Fahrgäste benutzten, wie Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder in seiner Rede hervorhob, voriges Jahr den Omnibus im öffentlichen Nahverkehr. Hinzu kamen zehntausende Bus-Reisende im Fernverkehr und in der Touristik. Diese Zahlen zeigen den beträchtlichen Stellenwert der Busbranche im Verkehrswesen und in der Gesellschaft. Der vorwiegend mittelständisch geprägte Mobilitätszweig mit rund 3.000 Betrieben durchlebt gerade eine weitere wichtige Transformation in Richtung Zukunft. Das wurde auf der Fachmesse BUS2BUS 2026 deutlich, die am 15. und 16. April überaus erfolgreich in Berlin stattfand. Wie lief sie mit welchen Ergebnissen ab?
Die Träger und Organisatoren – die Messe Berlin und der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) – konnten eine positive Bilanz des zweitägigen Events ziehen. Das zeigte sich allein schon an diesen Zahlen: Die Messe hatte 3.200 Fachbesucher (plus 13 Prozent) und 156 Aussteller aus 25 Ländern (plus 11 Prozent). Insgesamt nahmen rund 3.800 Branchenakteure teil. Über 50 Busse waren in den großen Hallen Hub 27 und 25 sowie auf dem Freigelände zu sehen. Auf vier Bühnen fanden über 100 gut besuchte Sessions mit hochkarätigen Speakern statt.

Dieses Ergebnis ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die BUS2BUS weiter an Relevanz gewinnt und sich als zentrale Plattform der Bus- und Mobilitätsbranche etabliert hat. Die Messe ist auch in einem größeren Kontext zu sehen: Fokus auf Dekarbonisierung, Digitalisierung und Fachkräftemangel als zentrale Herausforderungen der Branche. Unter aktuellen Aspekten waren natürlich auch die infolge des Nahost-Krieges enorm gestiegenen Kraftstoff- und Energiepreise als spürbare Belastung der Buswirtschaft ein wichtiges Thema.


Politisch bekam die B2B-Messe zusätzliches Gewicht durch den Besuch von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder. In seiner Rede betonte er die zentrale Rolle des Busses für die heutige und zukünftige Mobilität und stellte die staatliche Unterstützung bei Elektromobilität, Infrastruktur und Fachkräftesicherung in Aussicht. Beim anschließenden Rundgang zeigte er sich interessiert an konkreten Innovationen – von neuen Busmodellen bis zu Ladelösungen. In der Branche kam das gut an, auch wenn viele Unternehmen betonten, dass es nun vor allem auf die verlässliche Umsetzung ankommt. Politisch ebenfalls unterstützend wirkte das am Vorabend der Messe in einer Tiergarten-Location stattgefundene „Parlamentarische Frühjahrstreffen 2026“ des bdo mit 330 Teilnehmern aus Bundestag und Branche.


Als praxisorientierte Business-Plattform brachte die BUS2BUS Verkehrsunternehmen, Hersteller, Zulieferer, Technologieanbieter und politische Akteur:innen gezielt zusammen und schuf einen Rahmen für Investitionsentscheidungen und strategische Orientierung in einer Phase tiefgreifender Branchenveränderungen.
Hier eine kompakte Übersicht der wichtigsten Trends der BUS2BUS 2026:
1. Antriebswende: E-Bus dominiert, Wasserstoff bleibt Option. Elektrobusse standen klar im Fokus (Batterie als Standardlösung im Stadtverkehr). Auch Wasserstoffbusse wurden gezeigt, aber eher als Ergänzung für lange Distanzen und schwierige Einsatzbedingungen. Die Branche bewegt sich deutlich in Richtung Elektrifizierung, während Wasserstoff eine Nischen- bzw. Spezialrolle behält.


2. Ladeinfrastruktur & Energiemanagement: Große Aufmerksamkeit für Depotladen vs. Gelegenheitsladen sowie intelligente Lade- und Flottensteuerung. Softwarelösungen zur Optimierung von Energieverbrauch, Ladezeiten und Netzbelastung. Es zeigte sich der Trend: Nicht nur der Bus, sondern das gesamte Energiesystem wird zum zentralen Thema.


3. Digitalisierung & KI im Betrieb: Einsatz von Künstlicher Intelligenz für Routenplanung, Wartung, Fahrgastprognosen. Stärker vernetzte Systeme zwischen Fahrzeug, Betriebshof und Leitstelle. Trend: Der Busbetrieb entwickelt sich zum datengetriebenen System.

4. Autonomes und assistiertes Fahren: Es gab Präsentationen zu bereits im Einsatz befindlichen Assistenzsystemen und zu ersten autonomen Shuttle-Konzepten. Trend: Noch kein Massenmarkt. Aber die Automatisierung des Fahrens kommt schrittweise, nicht abrupt.
5. Nachhaltigkeit über den Antrieb hinaus: Fokus nicht nur auf emissionsfreie Fahrzeuge, sondern auch auf: Recycling von Batterien, nachhaltige Materialien im Innenraum. Wichtig: Gute CO2-Bilanz über den gesamten Lebenszyklus der Busse. Trend: Nachhaltigkeit wird ganzheitlich gedacht, nicht nur beim Anrieb.
6. Fahrermangel & neue Arbeitsmodelle: Zur Lösung sollen bessere Arbeitsbedingungen, ergonomische Cockpits und digitale Unterstützungssysteme beitragen. Trend: Der Mensch bleibt zentral – Technik soll entlasten, nicht ersetzen.

7. Vernetzte Mobilität: Integration des Busses in: multimodale Plattformen und digitale Ticket- und Buchungssysteme. Trend: Der Bus wird Teile eines vernetzten Mobilitätsökosystems, nicht mehr isoliert gedacht.
Kurzfazit dieser sieben Trends: Die BUS2BUS 2026 zeigte vor allem drei große Linien: elektrisch statt fossil, digital statt analog, vernetzt statt isoliert. Oder anders ausgedrückt: Die Busbranche entwickelt sich vom klassischen Verkehrsmittel hin zu einem technologisch integrierten, nachhaltigen Mobilitätssystem.
Die Fachmesse BUS2BUS 2026 in Berlin auf dem Messegelände am Funkturm hat einmal mehr gezeigt, wohin sich die Busbranche bewegt – und das ziemlich deutlich: elektrisch, digital und vernetzt. Mehr Aussteller, steigende Besucherzahlen und eine wachsende internationale Beteiligung sorgten für eine rundum positive Bilanz.

Ausgehend von der erfolgreichen Bilanz dieser 2026er Veranstaltung, informierten die Veranstalter Messe Berlin und bdo, dass die nächste BUS2BUS 2028 von zwei Tagen auf drei Messetage verlängert wird: vom 4. bis 6. April. Sie soll noch größer, internationaler und innovativer werden.
Text und Fotos (13): Manfred Weghenkel
Weitere Informationen: www.bus2bus.berlin, www.bdo.org


































Spannend einmal aus erster Hand zu erfahren, wer ihn unter welchen Bedingungen gebaut hat. Dieser Frage widmet sich nun ein Buch aus der Feder des damaligen Oberbauleiters Jürgen Ledderboge. Der inzwischen 88-jährige aus Sachsen stammende Baufachmann schildert in dieser verdienstvollen Publikation mit dem Titel „Friedrichstadtpalast – vom Neubau zum Denkmal“ als Insider und Zeitzeuge wesentliche Etappen in der Historie des legendären Revue- und Showtheaters. Das Buch mit 200 Seiten und zahlreichen Abbildungen wird im März 2025 im Passage-Verlag Leipzig erscheinen, kann aber schon jetzt dort bestellt werden.




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