Von Manfred Weghenkel
Gerade noch in der lärmenden, trubeligen Berliner City West rund um Bahnhof Zoo, Tauentzien und Ku’damm – und schon nach wenigen Minuten zu Fuß oder mit den öffentlichen Bussen in einer gefühlt ganz anderen Welt ankommen. Am südwestlichen Rand des Großen Tiergartens in einem ruhigen, gediegenen Botschaftsviertel liegt an der Drakestraße 1 das traditionsreiche, ja schon legendäre 5-Sterne-Luxushotel „Das Stue“. Sein General Manager Zeèv Rosenberg nennt es voller Stolz das „schönste Hotel Berlins“. Ist da was dran oder lediglich Marketingsprech? Gekommen sind am 10. Februar 12 Reisejournalisten vom „Hotelpoint International“, die es genau wissen wollen…
Schon das Äußere des Gebäudes strahlt historisches Flair aus. Ende der 1930er Jahen als Königlich Dänische Gesandtschaft errichtet, hat es eine bewegte Geschichte hinter sich. Der Architekt war Johann Emil Schaudt, der auch das ganz in der Nähe liegende berühmte KaDeWe entworfen hat. Die Fassade und das repräsentative Erscheinungsbild im damals beliebten klassizistischen Stil spiegeln sowohl dänische als auch zeitgenössische Architekturströmungen wider. Nach der Aufgabe des Gebäudes in den 1970er Jahren durch die Regierung Dänemarks verfiel das Haus teilweise und wechselte mehrfach den Besitzer.

1983 übernahm die Stadt Berlin das denkmalgeschützte Gebäude. Nach der Jahrtausendwende begann eine umfassende Umgestaltung in ein Luxushotel. Federführend waren dabei die innovativen Axthelm Architekten aus Potsdam. Der ursprüngliche Altbau wurde denkmalgerecht restauriert, und ein moderner Neubau-Anbau ergänzte das Ensemble. Es entstanden zeitgemäße Räume und große Fenster mit Blick über den Tiergarten und den Zoo, zu dem es vom Hotel aus sogar einen direkten Zugang gibt.

Im Jahre 2013 wurde das 5-Sterne-Boutique-Hotel offiziell eröffnet – heute bekannt als „SO/Berlin Das Stue“. Direktor Rosenberg dazu: „Das Wort ‚Stue‘ ist dänisch und bedeutet ‚Wohnzimmer‘, was die Idee von Gemütlichkeit, Stil und Gastfreundschaft im Hotelnamen widerspiegelt.“

Und noch ein anderes dänisches Wort trifft bei dieser überaus noblen Herberge den Nagel auf den Kopf: „Hygge“. Es ist Kernbestandteil der dänischen Tradition und Lebensweise. Im Wesentlichen bedeutet es eine gemütliche, herzliche Atmosphäre, in der man das Gute des Lebens zusammen mit lieben Leuten genießt. Beispiel: Das warme Licht der Kerzen ist Hygge. Davon abgeleitet ist das Adjektiv „hyggelig“, das wörtlich „gemütlich“, „angenehm“, „nett“ und „gut“ bedeutet.
Das Interior-Design lag in den Händen der renommierten spanischen Gestalterin Patricia Urquiola. Ihre Ideen finden sich in allen öffentlichen Bereichen (Lobby, Bar, Restaurant, Lounges, Bibliotheken) wider. Als vielfach ausgezeichnete „Designer of the Year“ ist sie bekannt für ihre harmonische Verbindung von historischen und modernen Elementen. Im „Das Stue“ zeigt sich das im erhaltenen Originalparkett, in französischen Türen und restaurierten Holzeinlagen sowie in Materialien wie Naturholz, Travertin, Kupfer, sanfte Farben und weiche Textilien. Ausgewählte Möbel von namhaften Herstellern und originelle Kunstwerke werden immer wieder gelobt. Besonders auffällig ist z. B. eine große Krokodil-Skulptur von Quentin Garel in der Lobby.

In verschiedenen öffentlichen Bereichen findet man große Draht-Skulpturen wie Giraffen oder Gorillas der Künstlerin Benedetta Mori, die auf spielerische Weise die Nähe zum Zoo Berlin thematisieren. Ebenso wie lustige Leder-Tiere von Omersa (u. a. Nashörner, Flußpferde), die als dekorative Objekte oder Sitzgelegenheiten dienen. Kunst als Erlebnis ist ein wesentliches Merkmal des Hotels.
Insgesamt ist so ein warmes, einladendes, also echt „hyggeliges“ Ambiente entstanden, das eher an ein großzügiges luxuriöses Wohnzimmer oder eine private Villa erinnert als an ein klassisches Hotel.
Das Hotel mit 110 Mitarbeitenden und einer durchschnittlichen Auslastung von 72 bis 75 Prozent ist Teil der internationalen Accor-Gruppe unter der Marke SO/Hotels & Resorts und steht für elegantes Design, hohen Komfort, eindrucksvolle Kunst und gehobene Ausstattung sowie eine Verbindung von Tradition und Moderne.


Was das Haus den Gästen bietet – davon können sich die wissbegierigen Tourismusjournalisten bei einem Rundgang überzeugen. Es gibt hier aktuell 77 Zimmer und Suiten in verschiedenen Kategorien von Standardzimmern bis Penthouse / Bel Etage-Suites mit Blick auf Zoo oder Tiergarten. Die Zimmer und Suiten sind elegant und stilvoll eingerichtet, verfügen über moderne Annehmlichkeiten und haben z. T. Balkon oder Terrasse. Zum Komfort des Hotels gehören kostenloses WLAN, 24-h Zimmerservice, Concierge, ein Spa/Bereich mit Pool (14 m lang!), Fitness-Studio und Meetingräume.


Für das leibliche Wohl der Gäste sorgen mehrere gastronomische Einrichtungen, darunter das aus mehreren Räumen bestehende Restaurant „Carte Blanche“ mit fokussiert französischer Küche und Brasserie-Atmosphäre. So gibt es hier unter der Decke einen Blickfang mit großen kupferfarbenen Töpfen und anderem Kücheninventar. Wer sich für die Zubereitung der Speisen interessiert, kann in die hinter Glas liegende Show-Küche schauen. Dort „zaubern“ die Köche und Mitarbeiter solche Gerichte wie Bouillabaisse Carte Blanche mit Meeresfrüchten, Wurzelgemüse, Rouille und Hummerfond (Vorspeise), Gegrilltes Entrecote mit Bohnen, Möhren, Pommes Allumettes und Sauce Béarmaise (Hauptgericht) oder Crepes Suzette mit Orange, Grand Marnier und Vanilleeis (Sweets). Auf der Menükarte stehen als Spezialitäten auch Muscheln, Kaviar & Austern. Hotelchef Rosenberg bringt die Küchenphilosophie des Stue-Hotels auf die Formel „authentisch, bodenständig, französisch“. Das Frühstück ist à la carte oder vom Buffet zu haben.

Übrigens, im Hotel-Restaurant sind mehrere von bekannten Fotografen geschaffene künstlerisch wertvolle Schwarz-Weiß-Portäts von legendären Künstlern, wie Brigitte Bardot, Romy Schneider, Alain Delon und Serge Gainsbourg, zu sehen. Ebenfalls immer wieder bewundert das 1948 entstandene ikonische Porträt „Marlene Dietrich“ von Irving Penn, einem der einflussreichsten Fotografen („Vogue“) des 20. Jahrhunderts. Dieses eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Porträt wird herausgehoben als einzelnes Wandbild gezeigt.
Viel besucht sowohl von Hotelgästen als auch Berlinern die geräumige und stilvolle Stue-Bar & Terrasse mit einer großen Auswahl an edlen Drinks und Cocktails inklusive moderner Signature-Kreationen.



Als exklusives Berliner Luxushotel mit Boutique- und Lifestylecharakter hat „Das Stue“ natürlich auch ein entsprechendes Preislevel. Die Kosten für eine Nacht variieren ja nach Zimmertyp, Saison und Verfügbarkeit erheblich. Die Übernachtungspreise für ein Doppelzimmer beginnen bei etwa 300 bis 400 Euro. Frühstück ist teilweise schon im Zimmerpreis enthalten, kann aber je Buchung auch separat berechnet werden. Pro Person sind ungefähr 45 Euro zu veranschlagen. Als Zusatzkosten kommen CityTax (Übernachtungssteuer) und evtl. Parken, Airport-Shuttle oder andere Leistungen noch oben drauf.

Nach diesem zugegeben recht kurzen Aufenthalt kommt einem das von GM Zeèv Rosenberg eingangs geprägte Statement vom „schönsten Hotel Berlins“ – was zu bewerten freilich recht schwierig ist – noch einmal in den Sinn. Sicher, in der deutschen Metropole und Weltstadt Berlin gibt es andere etablierte Luxus-Hotels wie Adlon Kempinski, Waldorf Astoria, The Ritz-Carlton, The Mandala oder das (bald erneuerte) Hotel de Rome / Four Seasons. Sie alle haben ihr eigenes, unverwechselbares Profil. Das citynah und dennoch ruhig im Grünen am Rande von Zoo und Tiergarten gelegene „Das Stue“ ist in dieser Reihe das kleinste und intimste, was der einmaligen Luxusherberge gleichsam den Stempel eines „Solitärs“ gibt. Wenn man also „schönstes Hotel“ als atmosphärisch stärkstes, am elegantesten designtes und emotional angenehmstes in Berlin, gerade im Boutique- und Lifestylesegment, interpretiert und nicht als marketingorientierten Superlativ, kann man die Einschätzung als Selbstbild durchaus gelten lassen.
Text, Design und Fotos (14): Manfred Weghenkel
Weitere Informationen: www.das-stue.com































Spannend einmal aus erster Hand zu erfahren, wer ihn unter welchen Bedingungen gebaut hat. Dieser Frage widmet sich nun ein Buch aus der Feder des damaligen Oberbauleiters Jürgen Ledderboge. Der inzwischen 88-jährige aus Sachsen stammende Baufachmann schildert in dieser verdienstvollen Publikation mit dem Titel „Friedrichstadtpalast – vom Neubau zum Denkmal“ als Insider und Zeitzeuge wesentliche Etappen in der Historie des legendären Revue- und Showtheaters. Das Buch mit 200 Seiten und zahlreichen Abbildungen wird im März 2025 im Passage-Verlag Leipzig erscheinen, kann aber schon jetzt dort bestellt werden.




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