Von Manfred Weghenkel

Nein, es ist kein Opernhaus am Abend. Wir sehen das illuminierte Zeiss-Großplanetarium am Prenzlauer Berg in Berlin. Dorthin zog es am 21. Februar über 300 Freunde schöner Musik und Astronomiefans zur Berlin-Premiere der neuartigen Show „Zauberflöte trifft Universum: Cosmic Opera“. Schon der Name sagt’s ja: In dieser immersiven Fulldom-Musik- und Visual-Inszenierung dreht sich alles um das Musikgenre Oper in der Symbiose mit kosmischen Bildern und Effekten. Geboten werden in der riesigen Planetariumskuppel über Lautsprecher eingespielte klassische Operarien, -Duette und -Chöre, gesungen von brillanten Sänger:innen, kombiniert mit Visuels, Sternenhimmel und Lasershow. Aufwendig produziert haben das Ganze das Planetarium Hamburg und die Stiftung Planetarium Berlin.

Berlins Planetariumsdirektor Tim Florian Horn begrüßte das erwartungsvolle Publikum: „Die kosmische Oper wollen wir heute das erste Mal präsentieren. Das ist auch für uns etwas Besonderes. Es bedeutet nämlich, dass wir hierbei außerhalb der klassischen Astronomie arbeiten. Diese Produktion geht weit über die Astronomie hinaus.“ Horn verwies auf die vielfältige Nutzung des Planetariums. Cosmic Opera sei Teil einer Musikreihe. Es gebe Cosmic Chillout, Cosmic Movie Melodies, Cosmic Rock und Cosmic Jazz.

Und dann begann auch schon die spannende, unterhaltsame einstündige Reise durch Zeit und Raum. Man sieht, wie über einem die Sterne aufgehen und untergehen, wie man zu fremden Planeten reist. Und das alles verbunden mit großer Opernmusik, gewaltigen Stimmen und einer fantastischen Akustik, für die in der Kuppel eingebaute 50 (!) starke Lautsprecher sorgen.

Das Musikprogramm selbst ist so etwas wie ein Best-of an Opern-Highlights, die wohl fast jeder kennt. Dazu gehören:

Giuseppe Verdi: La Traviata –Trinklied Libiamo, ne‘ lieti calici; Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte – Arie der Königin der Nacht; Georges Bizet: Carmen – Toreromarsch; Richard Wagner: Tannhäuser – O du mein holder Abendstern; Antonin Dvořák: Rusalka – Lied an den Mond; Giacomi Puccini: Turandot – Nessun dorma; George Gershwin: Porgy and Bess – Summertime; Jaques Offenbach: Hoffmanns  Erzählungen – Barcarolle

Übrigens, zwei Stücke aus dieser Reihe – die von Mozart und Offenbach – werden nicht kosmisch visualisiert, sondern mit moderner Laserstrahl-Technik präsentiert. Auch das hat seinen Reiz.

Worin freilich liegt der generelle Reiz einer immersiven Planetariumsshow, die bekannte Opernmusik mit kosmischen Visualisierungen verbindet? Wahrscheinlich ist es das hochkünstlerische Zusammenspiel von Erhabenheit, Emotion und Perspektivwechsel; das Eintauchen in zwei Welten gleichzeitig, die gar nicht soweit voneinander entfernt sind.

Opernmusik – etwa von Wolfgang Amadeus Mozart oder Richard Wagner – ist ja von Natur aus groß gedacht: Sie arbeitet mit Pathos, existentiellen Konflikten, Liebe, Tod, Schicksal. Diese Themen spiegeln sich fast nahtlos im Kosmos, der seit jeher als Symbol für das Unendliche, Geheimnisvolle und Übermenschliche dient. Im Planetarium kommen mehrere Ebenen zusammen.

Zum einen ist es die totale Immersion statt Distanz. Anders als im Opernhaus sitzt man nicht vor einer Bühne, sondern mitten im Geschehen. Die Kuppel umhüllt das Publikum vollständig. Musik wird nicht nur gehört, sondern körperlich erlebt, während Sterne, Nebel und Galaxien den Raum öffnen. Das erzeugt ein Gefühl von Transzendenz, das beide Kunstformen potenziert. Ein anderer Punkt ist der niedrigschwellige Zugang zur Hochkultur. Die Show funktioniert auch ohne Vorwissen. Man muss keine Handlung kennen, keine Arien „verstehen“. Das Planetarium wird zum emotionalen Resonanzraum, der Oper neu rahmt – weniger elitär, mehr sinnlich.

Kurz gesagt: Eine solche Planetariumsshow  nutzt den Kosmos als Verstärker für das Menschlichste in der Musik – unsere Sehnsucht nach Bedeutung, Größe und menschlicher Verbindung.

Von diesen Überlegungen ausgehend, ist es verständlich, dass die neue, zeitgemäße Show „Cosmic Opera“ beim Premierenpublikum (darunter sehr viele junge Leute aus dem In- und Ausland) gut angekommen ist, d.h. mit viel Beifall bedacht wurde. Allerdings waren auch kritische Stimmen zu hören. So von einigen Besuchern, die in der Opernmusik nicht so bewandert sind. Sie hätten sich ein paar kurze Informationen zu den Stücken bzw. Interpreten gewünscht, ohne dass dadurch das emotionale Gesamterlebnis beeinträchtigt würde.

„Cosmic Opera“ steht nun fest im 2026er Veranstaltungskalender des Zeiss-Großplanetariums, Prenzlauer Allee 80 in 10405 Berlin. Hier die nächsten Termine: 26. Februar, 13. und 28. März, 03.,18. und 30. April, 07.,15. und 23. Mai. Tickets – regulär 16,00 €, ermäßigt 12,00 €.

Redaktion, Text und Titelbild: Manfred Weghenkel

4 Fotos: Stiftung Planetarium Berlin

Weitere Informationen: www.planetarium.berlin