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Reise, Kultur & Lifestyle


Aktuelles in Kürze

 

Schon Tickets für Topevents 2023

Für mehrere traditionelle Publikums-magneten in der Hauptstadtregion hat der Kartenvorverkauf begonnen. Dazu gehört die überaus stimmungsvolle „Potsdamer Schlössernacht", die im Park Sanssouci am 18. und 19. August stattfindet. Thematisch lehnt sie sich an das 2023er Jahresmotto der Potsdamer Kulturpartner „Holland in Potsdam" an. So verwandelt sich das Motto des Abends oranjegemäß von „prächtig" in „Prachtig!"

Am 23. September ist es in der Berliner Waldbühne wieder soweit. Beim bereits 23. Berliner Taschenlampenkonzert erstrahlt die berühmte Showlocation, erleuchtet von 20.000 Taschenlampen der kleinen und großen Besucher,  wie ein funkelnder Sternenhimmel. Dazu gibt es wieder ein zum Mitsingen und Tanzen einladendes Rockkonzert der Berliner Kultband Rumpelstil.

Nähere Infos und Ticketpreise online über die Websiten der Veranstalter.

                Fotos: Manfred Weghenkel

Winterzauber

in Friedrichsfelde

„Wir sind geflasht!", „Einfach tierisch gut!", „Hier steppt der Bär!" So oder ähnlich klang es am Freitagabend in Berlin-Friedrichsfelde. Schon zum vierten Male fasziniert Europas größter Landschaftstierpark seine Besucher vor, während und nach Weihnachten mit einer spektakulären Lichtshow. Unter dem Motto „Weihnachten im Tierpark" wurde am 18. November dieses effekt- und stimmungsvolle Event in Anwesenheit zahlreicher prominenter Gäste vor allem aus der hauptstädtischen Kunst- und Kulturszene feierlich eröffnet.


Wie Prof. Peter Schwenkow, Vorstandsvorsitzender der veranstaltenden Deutschen Entertainment AG, betonte, ist die international inspirierte Christmas Garden Show in diesem Jahr noch einmal größer und schöner geworden. Neue Highlights: Bunte Savanne, Wassermärchen, Fluss der Träume und andere. "Wir haben auch viel Wert darauf gelegt, in der gegenwärtigen Energiesituation so sparsam wie möglich mit Strom umzugehen", so der Veranstalter.

DEAG-Chef Prof. Peter Schwenkow.DEAG-Chef Prof. Peter Schwenkow.

Rund um das berühmte, jetzt natürlich farbenprächtig angestrahlte frühklassizistische Schloss Friedrichsfelde präsentiert sich großflächig eine anspruchsvolle Symphonie aus Licht, Musik und anderen künstlerischen  Elementen. Die Besucher können auf Rundgängen in diese einzigartige Winterwelt eintauchen und in der Dunkelheit sogar Zootieren in Lichtgestalt begegnen.  Und natürlich gibt es auch Stände mit Bratwürsten, Glühwein. gebrannten Mandeln und anderen Leckereien. Aus großen Metallschüsseln lodern Flammen, die überdies bei Kälte angenehm wärmen.  Selbst ein nostalgisches Kinderkarussell dreht seine Runden. Erlebnisspaß für groß und klein, für die ganze Familie.

Geöffnet ist das Tierpark-Event bis 15. Januar 2023, und zwar - mit einigen Ausnahmen - täglich von 17 bis 22 Uhr.                                     

Text und Fotos: Manfred Weghenkel

Weitere Informationen: weihnachten-im-tierpark.de 

Das Ende des 17. Jh. erbaute Schloss Friedrichsfelde - schöner Blickfang im abendlichen Tierpark Berlin.Das Ende des 17. Jh. erbaute Schloss Friedrichsfelde - schöner Blickfang im abendlichen Tierpark Berlin. 

Hat gut lachen: Berlins erster und einziger 3-Sterne-Koch Marco Müller vom "Rutz". Foto: Manfred Weghenkel Hat gut lachen: Berlins erster und einziger 3-Sterne-Koch Marco Müller vom "Rutz". Foto: Manfred Weghenkel

Sternstunde
der Spitzenköche

Auf einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion mit namhaften Berliner Sterneköchen wurde am 30. Juni die aktuelle Situation in der hauptstädtischen Spitzengastronomie erörtert. An dem von der Plattform TourismusDialog.Berlin im historischen Rutz-Zollhaus am Landwehrkanal organisierten Treffen legten Marco Müller, Küchendirektor Restaurant "Rutz", Billy Wagner, Inhaber von "Nobelhart & Schmutzig" und Steven Zeidler, Küchenchef Restaurant "Bricole", ihre Erfahrungen und Standpunkte dar. Teilnehmer des lebendigen Tourismus-Dialogs mit (v. l.): Billy Wagner, Journalistin Annika Schönstedt, Marco Müller und Steven Zeidler. Teilnehmer des lebendigen Tourismus-Dialogs mit (v. l.): Billy Wagner, Journalistin Annika Schönstedt, Marco Müller und Steven Zeidler.

Die in den letzten gut zwei Jahren von der Corona-Pandemie arg gebeutelte Branche müsse sich nun weiteren Herausforderungen stellen, wie den wegen der Abwanderung von Fachkräften entstandenen Personalmangel und den enorm gestiegenen Energie- und Nahrungsmittelpreisen.  Die Spitzenrestaurants könnten aufgrund  guter Besucherzahlen - hier zeitige der "Sternenhagel" spürbare Werbewirkung - zwar einiges verkraften, doch die inflationsbedingten höheren Kosten müssten letztlich teilweise an die Gäste weitergegeben werden. So soll sich laut Billy Wagner der Menüpreis im Restaurant "Nobelhart & Schmutzig" von 135 auf 155 Euro erhöhen. Lobend sprach sich Wagner über die von der Regierung für Küchenprodukte eingeführte Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 7 Prozent aus. Diese Entlastung müsse unbedingt weiter Bestand haben.

Das stilvolle Restaurant "Altes Zollhaus", heute Rutz-Zollhaus, am Carl-Herz-Ufer in Kreuzberg bietet "neue feine Berliner Küche".Das stilvolle Restaurant "Altes Zollhaus", heute Rutz-Zollhaus, am Carl-Herz-Ufer in Kreuzberg bietet "neue feine Berliner Küche".

Übrigens, mit 24 Sternen, die der renommierte Guide Michelin Deutschland 2022 an Berliner Restaurants vergeben hat, steht die Hauptstadt vor München (16) und Hamburg (10) an der Spitze. Mit drei Sternen  am höchsten dekoriert wurde Marco Müller; er ist der erste Drei-Sterne-Koch überhaupt in Berlin. der 52-jährige Gastronom, geboren in Potsdam-Babelsberg, kann auf eine lange innovative Berufskarriere verweisen. Sein Erfolgsgeheimnis on Top: "Ich bin Koch aus Leidenschaft und arbeite mit einem Team zusammen, das ebenfalls mit Herzblut dabei ist."
Text und Fotos (3): M. Weghenkel

Der Hingucker des Areals: die historische Wilhelmus-Windmühle neben Grachtenhäusern. Text und Fotos (6): Manfred Weghenkel Der Hingucker des Areals: die historische Wilhelmus-Windmühle neben Grachtenhäusern. Text und Fotos (6): Manfred Weghenkel

Neu: Holland-Park mit Oranje-Flair

Eine neue attraktive Freizeit- und Erlebnisanlage mit Oranje-Flair gibt es seit Anfang April an der nördlichen Peripherie Berlins: den Holland-Park unweit des Autobahndreiecks Barnim, Abfahrt Schwanebeck. Der zur Brandenburger Gemeinde Panketal  gehörende Ortsteil Schwanebeck ist auch recht gut mit Omnibussen aus dem nahen Berlin (z. B. Buch, Malchow) und aus Bernau oder Zepernick erreichbar. Für Pkw-Benutzer steht ein riesiger kostenfreier Parkplatz zur Verfügung.

Das nach der Wende geschaffene ehemalige Gartencenter Holland wurde in den letzten zwei Jahren für 28 Millionen Euro großzügig umgebaut und erweitert. Die jetzt 19 Hektar große Anlage soll mit den Säulen Erlebnis, Spiel & Spaß, Gastronomie und Shopping so etwas wie Freizeitfun für die ganze Familie bieten. Investor und Betreiber ist die Gartencenter aus Holland GmbH. Schon von weitem sichtbare optische Highlights sind die Achtkant-Windmühle und der dritthöchste Rutschenturm Deutschlands.

 

Im modernen lichtdurchfluteten Hauptgebäude erwartet die Besucher ein Holland-Markt mit typisch niederländischen, aber auch regionalen-saisonalen Produkten, ein Gartencenter, eine 4000 qm große Spiel- und Sporthalle und natürlich auch Gastronomie, die von „Thea's Keuken", also Thea's Küche betrieben wird. Essen, trinken und spielen kann man bei schönem Wetter auch draußen.

Demnächst  sollen weitere Attraktionen eröffnet werden, wie die Windmühle „Wilhelmus", dazu ein Mühlenmuseum, eine Dschungelhalle und ein Streichelzoo.

Der Eintritt in den Holland-Park ist gratis. Lediglich für die Indoor-Spiel- und Kletterhalle sowie den Rutschenturm braucht man Tickets. Weitere Infos: www.hollandpark.de

 

 

Anziehungspunkt für Familien und Touristen. Fotos (3): Manfred WeghenkelAnziehungspunkt für Familien und Touristen. Fotos (3): Manfred Weghenkel

Die Britzer Mühle

dreht sich wieder

Ein populäres Berliner Wahrzeichen - die idyllisch neben dem Britzer Garten gelegene historische Britzer Mühle im Stadtbezirk Neukölln - ist nach erfolgreicher Sanierung am 16. Oktober wiedereröffnet worden. Gefeiert wurde dieses vom Verein Britzer Müllerei e. V. bestens organisierte Ereignis mit Kaffe, Kuchen, Schmalzstullen und gut in Anspruch genommenen Führungen durch die Mühle. Auch konnten die Besucher frisch gemahlenes Mehl und warmes Brot aus dem Steinbackofen neben der Mühle erwerben.

Die Grün Berlin GmbH als Bauherr investierte mit finanzieller Unterstützung des Landes Berlin 700.000 Euro in das Projekt. Außen wurde die Mühle mit neuen, strahlend hellbraunen Holzschindeln verkleidet. Die rund 20 Meter hohe, von Obstbäumen und einer Schafweide umgebene Britzer Mühle geht auf die Stechhan'sche Mühle aus dem Jahre 1865 zurück. Nach langem Stillstand wurde sie 1985 zur Bundesgartenschau im benachbarten Britzer Garten umfassend restauriert und wiedereröffnet. Als Zwölfkant-Galerieholländermühle gilt das Bauwerk am Buckower Damm als Wunderwerk der Technik und ist heute eine der wenigen noch arbeitenden Windmühlen in Deutschland. Interessenten können sich dort vom Verein im Müllerhandwerk nach niederländischem Vorbild hobbymäßig ausbilden lassen.

Geöffnet ist die Britzer Mühle von März bis Oktober: freitags und samstags mit Brotverkauf; sonn- und feiertags mit Führungen. Am Pfingstmontag, dem deutschen Mühlentag und am Tag des offenes Denkmals wird im Steinbackofen auch Mühlenbrot gebacken.

 

Furioses Finale als Höhepunkt der Show. Fotos (4): Manfred WeghenkelFurioses Finale als Höhepunkt der Show. Fotos (4): Manfred WeghenkelGrand Show "Arise"

im Friedrichstadt-Palast

Tippi toppi! Nach anderthalbjähriger Corona-Schließpause leistet nun auch der weltbekannte Friedrichstadt-Palast seinen lange erwarteten Beitrag zum Restart des Berliner Kulturlebens. Am 22. September feierte die als neue Grand Show konzipierte Produktion „Arise" in Anwesenheit prominenter Gäste aus Kultur und Gesellschaft, die sich auf dem Roten Teppich dem Blitzlichtgewitter der Fotografen stellten, umjubelte Premiere.

Die kreativen Köpfe Oliver Hoppmann (l.), Nikeata Thompson und Conchita Wurst. Die kreativen Köpfe Oliver Hoppmann (l.), Nikeata Thompson und Conchita Wurst. Das Budget der Inszenierung, in der über 100 Künstlerinnen und Künstler aus 26 Nationen mitwirken, liegt bei 11 Millionen Euro. Zum Kreativteam um den hauseigenen Autor und Regisseur Oliver Hoppmann gehören auch zahlreiche internationale Größen der Szene, wie der Österreicher Tom Neuwirth aka Conchita Wurst, die Eurovision Song Contest-Bühnenbildnerin Frida Avidsson aus Schweden, der italienische Kostümdesigner von Weltruf Stefano Canulli und die britische Top-Choreografin Nikeata Thompson.

Als Ehrengast von Intendant Dr. Berndt Schmidt persönlich herzlich begrüßt: die Berliner Zeitzeugin und Holocaust-Überlebende Margot Friedländer (99).Als Ehrengast von Intendant Dr. Berndt Schmidt persönlich herzlich begrüßt: die Berliner Zeitzeugin und Holocaust-Überlebende Margot Friedländer (99).Die mit viel Tempo und Temperament, Glitzer und Glamour umgesetzte Story handelt von dem renommierten Fotografen Cameron, der mit seiner Muse, die ihn künstlerisch ungemein inspiriert, um die Welt reist. Als er die Muse verliert, bleiben ihm freilich noch die Erinnerungen. „Arise" bedeutet hier aufzustehen, nicht aufzugeben, an die Kraft der Liebe und des Lichtes zu glauben. Neben den erstklassigen Tänzern, Sängern und Artisten brillierte natürlich auch wieder die legendäre Girlreihe des Revuetheaters. Ebenso ein Highlight: die extravaganten, farbenprächtigen Kostüme der Mitwirkenden.

An der Berliner Friedrichstraße 107 glitzert's jetzt außen und innen wieder.An der Berliner Friedrichstraße 107 glitzert's jetzt außen und innen wieder.Der hauptstädtische Show-Tempel mit der größten Theaterbühne der Welt schuf wegen der anhaltenden Pandemie ein ausgezeichnetes Hygiene-Konzept z. B. mit effektivem Frischluftsystem und Abstandsregeln, wonach zur Zeit nur zwei Drittel der eigentlich 1895 Plätze besetzt werden.

Weitere Informationen: www.palast.berlin

 

GZSZ-Urgestein Wolfgang Bahro mit seiner Autobiografie am „Wintergarten Berlin". Foto: Manfred WeghenkelGZSZ-Urgestein Wolfgang Bahro mit seiner Autobiografie am „Wintergarten Berlin". Foto: Manfred Weghenkel

Plauderstündchen mit Fiesling Jo Gerner

06. Oktober 2020. Als mieser, fieser, aber auch smarter Rechtsanwalt Dr. Jo Gerner ist er landesweit berühmt, ja berüchtigt. Schon seit 28 Jahren wird diese Fernsehrolle in der RTL-Soap „Gute Zeiten - schlechte Zeiten" von dem Berliner Schauspieler Wolfgang Bahro verkörpert. Der Allround-Mime aus Wilmersdorf feierte kürzlich den 60. Geburtstag und veröffentlichte aus diesem Anlass seine zusammen mit dem Boulevardjournalisten Andreas Kurtz geschriebene Autobiografie mit dem originellen Titel „Immer wieder Gerner". Gestern Abend präsentierte er sie - natürlich unter Coronabedingungen - im traditionsreichen Varieté-Theater „Wintergarten" an der Potsdamer Straße.

Amüsanter Wolfgang Bahro auf dem Podium. Foto: Manfred Weghenkel

Amüsanter Wolfgang Bahro auf dem Podium. Foto: Manfred Weghenkel

Auf der Talk-Couch von Mitautor Kurtz, Kolumnist der Berliner Zeitung,  stellte er sich in schwarzer Hose, schwarzer Weste, blau-grauem Hemd und weißen Turnschuhen locker, witzig und aufgeräumt zwei Stunden lang den Fragen des Moderators, des Publikums und auch einiger per Video eingespielter Promis. Aus dem 224 Seiten starken Buch las er das Anfangskapitel „Der Sinn des Lebens und dieses Buches" vor, um paradox zu enden: „Ich glaube ganz fest an den Sinn des Lebens, kenne ihn aber nicht." Bahro brillierte immer wieder mit Anekdoten und Episoden rund um seine TV-Figur Jo Gerner, die er als "chauvinistisches Arschloch" bezeichnete.

Hauptstadtflair an der Potsdamer Straße. Foto: Manfred WeghenkelHauptstadtflair an der Potsdamer Straße. Foto: Manfred Weghenkel

Zugleich mischte er mehrfach Kostproben seines parodistischen Könnens ein, wenn er etwa wie Inge Meysel, Harald Juhnke oder Rudi Carrell klang. Er verriet, dass er eigentlich nur zwei Monate bei „GZSZ" mitspielen wollte, nun seien es aber fast drei Jahrzehnte geworden. Auf die eingespielte Frage des prominenten Medienrechtlers Prof. Dr. Christian Schertz, wie lange er das noch machen wolle, bekannte Bahro sinngemäß: "Ich orientiere mich an den beiden hochkarätigen Schauspielern Dieter Hallervorden und Herbert Köfer, die mit 85 bzw. fast 100 Jahren immer noch aktiv auf der Bühne stehen."

Und auf die Frage nach Rollen, die er noch gerne spielen möchte, kam die klare Antwort: "Den Bösewicht bei James Bond und den Hauptmann von Köpenick." Mit Publikumsliebling Wolfgang Bahro können wir also erfreulicherweise noch lange rechnen.

                          Manfred Weghenkel                                                               

Palast-Chef Dr. Berndt Schmidt zeigte stolz und freudig die Denkmalplakette. Foto: Manfred WeghenkelPalast-Chef Dr. Berndt Schmidt zeigte stolz und freudig die Denkmalplakette. Foto: Manfred WeghenkelFriedrichstadt-Palast nun auch ein Denkmal

01. September 2020. Der weltbekannte Friedrichstadt-Palast Berlin steht seit gestern  unter Denkmalsschutz. Die öffentliche Bekanntgabe im Haus an der Friedrichstraße 107 nahmen Dr. Klaus Lederer, Bürgermeister und Senator für Kultur und Europa, und Dr. Christoph Rauhut, der Landeskonservator des Landesdenkmalamtesm, vor. Sie überreichten die Denkmalplakette an Palast-Intendant Dr. Berndt Schmidt. In kurzen Reden würdigten die drei Herren das 1984 neu eröffnete Show-Theater als letzten Repräsentationsbau der DDR vor der politischen Wende. Den verantwortlichen Architekten sei es dabei damals gelungen, ein künstlerisch einmaliges Gebäude mit hohem Wiedererkennungswert zu schaffen: Anklänge des Jugendstils und Art Déco träfen auf die 'Platte' als technisches sowie gestalterisches Merkmal.

Auch am Palastbau führend beteiligte DDR-Spezialisten waren eingeladen: Architekt Walter Schwarz (89), links, und Oberbauleiter Jürgen Ledderboge (84). Foto: Manfred WeghenkelAuch am Palastbau führend beteiligte DDR-Spezialisten waren eingeladen: Architekt Walter Schwarz (89), links, und Oberbauleiter Jürgen Ledderboge (84). Foto: Manfred WeghenkelAufgrund seiner geschichtlichen, künstlerischen sowie städtebaulichen Bedeutung hat das Landesdenkmalamt Berlin den Friedrichstadt-Palast, der seit seiner Erbauungszeit 1981 bis 1984 fast gänzlich unverändert ist, nun als Baudenkmal der „sozialistischen Postmoderne" geschützt. Zur sinnvollen Überbrückung de Coronakrise wird zur Zeit die Lüftungsanlage erneuert. Der reguläre Spielbetrieb mit der aktuellen Grand Show VIVID soll am 2. Januar 2021 wieder aufgenommen werden.

 

Berliner Meisterköche 2019 ausgezeichnet

 Einige der glücklichen Preisträger 2019 (v. l. n. r.): Berliner Meisterkoch Björn Swanson (Golvet), Lill Sommer i. V. von Johanna Rudolph (Panama), Jasmin Martin & David Johannes Suchy (Frea). Foto: Manfred WeghenkelEinige der glücklichen Preisträger 2019 (v. l. n. r.): Berliner Meisterkoch Björn Swanson (Golvet), Lill Sommer i. V. von Johanna Rudolph (Panama), Jasmin Martin & David Johannes Suchy (Frea). Foto: Manfred Weghenkel

Die "Berliner Meisterköche" des Jahres 2019 wurden am 24. September auf einer Pressekonferenz im Rausch Schokoladenhaus ausgezeichnet. In dem traditionsreichen, bereits zum 23. Mal abgehaltenen Wettbewerb der Gesellschaft "Berlin Partner" ermittelte eine unabhängige Jury unter Vorsitz des namhaften Gastronomieexperten Dr. Stefan Elfenbein aus 130 nominierten Kandidaten die Preisträger in sechs Kategorien. "Berliner Meisterkoch": Björn Swanson - GOLVET. Aufsteiger des Jahres: Johanna Rudolph - Panama. Berliner Gastgeber: Mathias Brandweiner - POTS. Berliner Szenerestaurant: FREA. Berliner Kiezmeister - Domberger Brot-Werk. Gastronomischer Innovator: Bernhard Moser - eat! berlin.

Dr. Stefan Franzke, Geschäftsführer von Berlin Partner: "Wir freuen uns, die Entwicklung Berlins zu eiem außergewöhnlichen Gastronomie-Standort mit der alljährlichen Auszeichnung der Berliner Meisterköche nicht nur begleiten, sondern aktiv fördern zu können." Die Meisterköche seien hervorragende Botschafter der Stadt - für Vielfalt, Kreativität und Professionalität. Zudem sei es Anliegen, "die Genuss-Metropole Berlin noch stärker in den weltweiten Fokus zu rücken."

 

 Ein neues Buch der Künstlerin Moon Suk

Die in Berlin lebende Koreanerin Moon Suk - Künstlerin, Sopranistin und Poetin - hat jetzt ein sehr persönliches Buch über das Glück herausgebracht. Die ehemalige Kulturbotschafterin des ZDF-Morgenmagazins knüpft damit eine unmittelbare Bande zu ihrem 30-jährigen Jubiläum in Deutschland, feiert auf diese Weise 30 Jahre Mauerfall und bedankt sich für das Glück, seit 30 Jahren hierzulande eine künstlerische Heimat gefunden zu haben. 

In ihrer ganz eigenen Art Danke zu sagen, reiht Moon Suk in dem Buch „Glücksblume“ - wie die Perlen einer Kette - Kurzgeschichten, Gedichte und Beschreibungen ihrer Einsichten aus dem Alltag aneinander und entführt die Leser in ihre unkonventionelle Gedankenwelt.

Foto: Manfred WeghenkelFoto: Manfred Weghenkel

Die Texte und Bilder sollen Leser inspirieren, helfen, Wunden zu heilen, und eine neue Perspektive aufzeigen. Moon widmet ihr Buch dabei allen Suchenden und den in sich Ruhenden, den Träumern und den Bodenständigen, denen, die sich in ihrer Haut wohl oder manchmal nicht so wohl fühlen.

Das Buch "Glücksblume" soll im Oktober 2019 im Heidelberger Verlag "Kreativkind" erscheinen und über Crowdfunding vorfinanziert werden. Unterstützern winken ein handsigniertes Exemplar und ein Lesezeichen-Set. Siehe auch:
https://www.startnext.com/gluecksblume

 

 

 

 

Repräsentative Visitenkarte: das neue Foyer des größten Frühjahrsparkes der Welt. Foto: KeukenhofRepräsentative Visitenkarte: das neue Foyer des größten Frühjahrsparkes der Welt. Foto: Keukenhof

Jubiläumssaison in Hollands Frühjahrspark

Pünktlich zum Frühlingsanfang öffnete der weltberühmte Keukenhof in Lisse bei Amsterdam seine Pforten für das Blumenjahr 2019 – eine ganz besondere Saison für den 32 Hektar großen Frühjahrspark: Er feiert ein rundes Jubiläum und wird 70 Jahre alt! Dass das für einen Blumenpark kein Alter ist, beweist das Motto „Flower Power“, dem alle Pflanzungen gewidmet sind. Im Keukenhof werden mehr als sieben Millionen Tulpen, Hyazinthen und Krokusse zu sehen sein. Neben der Farbexplosion in den Gärten sorgen diverse Blumenschauen und Veranstaltungen rund um die Frühblüher für ein ganz besonderes Festival der Sinne. In der Hauptrolle: die Tulpe! Ein Höhepunkt des Themenjahres 2019 ist das romantische Blumenmosaik „Flower Power“, für das die Gärtner bereits im letzten Oktober 50.000 Blumenzwiebeln gesetzt haben: Tulpen, Krokusse und Traubenhyazinthen. Das 250 Quadratmeter große Mosaik zeigt unter anderem eine junge Frau mit John-Lennon-Brille und Blume im Haar. Auch die Inspirationsgärten und die mehr als 20 Blumenshows in den verschiedenen Pavillons sowie die speziellen Veranstaltungen an den Wochenenden folgen ganz dem diesjährigen Motto. Zu den Highlights gehört das  Woodstock-Festival vom 13. bis 19. Mai, mit dem die Saison abschließt.

Mit mehr als einer Million Besuchern aus über 100 Ländern ist der Keukenhof für den niederländischen Tourismus von außerordentlicher Bedeutung. Geöffnet ist er in diesem Jahr bis zum 19. Mai täglich von 8 bis 19:30 Uhr. Erwachsene zahlen 17 Euro, Kinder von vier bis 17 Jahren 8 Euro (Kinder unter drei Jahren frei). 

Informationen: www.keukenhof.nl/de

 

Im Tourismus geht's

weiter bergauf

Das zentralasiatische Hochgebirgsland Tadschikistan ist mit einer Fläche von 143.100 Quadratkilometern und 8,6 Millionen Einwohnern zwar klein, hat aber touristisch große, ja wachsende Anziehungskraft. Nach dem Ende der Sowjetunion 1991 unabhängige Republik geworden, hat sich seither wirtschaftlich und touristisch viel getan. Während 2010 lediglich 160.000 Touristen das Land am Pamir und am Fan-Gebirge besuchten, waren es im "Jahr des Tourismus" 2018 erstmals eine Million. Für die Periode 2019 bis 2022 wurde vom Staat ein großangelegtes Entwicklungsprogramm auf diesem Gebiet beschlossen. Mehr Investitionen, Steuererleichterungen für die Reisebranche, das e-Visa über Internet für Ausländer sind nur einige der Maßnahmen. Ziel: zwei Millionen Besucher jährlich bis 2030.

Das auch hierzulande wachsende Interesse an diesem gastfreundlichen Land mit der attraktiven Hauptstadt Duschanbe und seinen beeindruckenden, insbesondere  alpinen Naturschönheiten mit über 7.000 Meter hohen Gipfeln und wunderschönen Hochgebirgsseen hat den Berliner Trescher-Verlag schon vor Jahren veranlaßt, den sehr informativen, sorgfältig editierten Reiseführer "Tadschikistan" herauszubringen. Inzwischen liegt die 3., aktualisierte und erweiterte Auflage vor, die auf 456 Seiten alle Landesregionen behandelt und mit 21 Stadtplänen, Übersichts- und Regionalkarten sowie über 250 Fotos aufwartet. Hervorzuheben: die ausführlichen praktischen Reisetipps für Individualtouristen.

Traditionelle Musikinstrumente Tadschikistans. Foto: Manfred WeghenkelTraditionelle Musikinstrumente Tadschikistans. Foto: Manfred Weghenkel

 

Paolo Masaracchia, General Manager des Hotels in Moabit (l.), erläuterte im Gespräch mit Moderator Mario Schmidt das geschaffene Plus an Kapazität.Paolo Masaracchia, General Manager des Hotels in Moabit (l.), erläuterte im Gespräch mit Moderator Mario Schmidt das geschaffene Plus an Kapazität. Mercure Hotel MOA Berlin nun zukunftsfest

 Mit einer rauschenden Party, an der etwa 3.500 Branchenkollegen, Kunden und Freunde des Hauses teilnahmen und die von einem attraktiven Show-Programm gekrönt wurde, präsentierte das Mercure Hotel MOA Berlin, am 8. Januar seine im letzten Jahr bei laufendem Betrieb realisierten umfangreichen baulichen Erweiterungen.

140 neue Zimmer, darunter zehn Maisonette-Suiten, stehen den Gästen nun zusätzlich zur Verfügung. Eine neue, 450 Quadratmeter umfassende Bankettküche wurde ebenfalls fertiggestellt. Spürbar vergrößerten sich auch die Event- und Konferenzflächen. Der Tagungsbereich erstreckt sich nunmehr über drei Etagen mit 35 Konferenzräumen. Nicht zuletzt entstand ein neuer hauseigener Fitnessbereich. Zu den Verbesserungen gehört auch, dass die Rezeption nunmehr ins Zentru

Erfolgsproduzent Bernhard Kurz.

Foto: Manfred WeghenkelErfolgsproduzent Bernhard Kurz. Foto: Manfred Weghenkel
Tina Turners Lebensweg

im Estrel Festival Center

Seit mehr als zwanzig Jahren laufen im Hotel Estrel Berlin an der Sonnenallee in Neukölln erfolgreich die von Las Vegas inspirierten spektakulären Doppelgänger-Shows "Stars in Concert". Alle namhaften Größen der internationalen Rock- und Popmusik gaben sich in Gestalt optisch und stimmlich täuschend echter Doubles bisher ein Stelldichein. Entweder in bunter Mischung als "Sechser-Pack" pro Konzertabend, was die Regel ist,  oder in etwas aufwendiger angelegten Specials bzw. Musicals, die einem Superstar, wie Elvis Presley, oder einer Band, wie The Beatles, gewidmet sind.
Seit dem 21. Februar gibt es nun das bewegte Leben der US-amerikanischen Rockröhre Tina Turner als Musical "Simply the Best". Mit etwa  180 Millionen verkauften Tonträgern gehört sie zu den erfolgreichsten Sängerinnen überhaupt. 

Estrel-Musikproduzent Bernhard Kurz zeichnet die über fünf Jahrzehnte währende Karriere Tina Turners leicht und spritzig  nach - von den bescheidenen Anfängen im Jahre 1958 als Backgroundsängerin in der Band ihres späteren Ehemanns Ike Turner, den großen Chart-Erfolgen des Duos Ike & Tina Turner über die schmerzvolle Trennung von Ike und den schweren solistischen Neustart in den 1980er Jahren bis hin  zu den großen Welthits wie "Private Dancer", "We Don't Need Another Hero", "GoldenEye" oder eben "Simply the Best". Dargestellt wird Tina von der ebenfalls aus Amerika stammenden Dorothea "Coco" Fletcher, die zu den professionellsten Tina-Turner-Lookalikes gehört, wovon sich die Estrel-Besucher schon seit langem überzeugen konnten. Begleitet wird Coco Fletcher in dieser mitreißenden, über zwei Stunden währenden Live-Show von excellenten Musikern, wie dem Grammy-Preiträger Vasti Jackson als Ike Turner und dem fabelhaften Background-Trio "The Ikettes". Gespielt wird das Musical "Simply the Best" in Berlin bis 18. März 2018. Danach geht es auf Tournee.

Übrigens, die inzwischen 78-jährige Tina Turner, die 2009 das letzte Mal auf Welttournee ging und seit 2013 Schweizer Staatsbürgerin ist,  bekommt - genauso wie der legendäre Singer/Songwriter Neil Diamond - für das herausragende Lebenswerk den Grammy Lifetime Achievement Award 2018.

Bestens drauf: Coco Fletcher
als livehaftiges Energiebündel Tina Turner. Foto: Manfred WeghenkelBestens drauf: Coco Fletcher als livehaftiges Energiebündel Tina Turner. Foto: Manfred Weghenkel

 

 

 

 

 

Finale im schönsten Frühlingspark der Welt

Daniel Marschner

Lisse (Holland), 02. Mai 2022. Es ist eine Blumenshow der Superlative, auf die man zwei Jahre lang verzichten musste. Doch 2022 kann sie endlich wieder bestaunt werden: die farbenfrohe Tulpenpracht im laut Eigenbeschreibung „schönsten Frühlingspark der Welt“. Die Rede ist natürlich vom 32 Hektar großen Keukenhof im niederländischen Lisse, der seine Besucher noch bis zum 15. Mai willkommen heißt. Und auch der weltberühmte Blumenkorso fand am 23. April wieder statt, zum bereits 73. Mal in 75 Jahren. Wie immer ließ sich beides wunderbar miteinander verbinden, denn die Straße vor dem Keukenhof ist einer der besten Orte, um die Parade mit ihren einzigartigen Blumenkunstwerken zu verfolgen, und der Park selbst steht Mitte April in voller Blüte.

1,5 Millionen Besucher hatte der Keukenhof bei seiner letzten Öffnung vor drei Jahren, 80 Prozent davon kamen aus dem Ausland. Auch dieses Jahr werden bis zu 1 Million Blumenliebhaber erwartet, die sich auf den insgesamt 15 Kilometer langen, stets sauberen Wanderwegen an den satten Farben der 7 Millionen Pflanzen erfreuen wollen. Insgesamt 1 600 Blumenzwiebelarten wurden für die Schau angebaut, darunter 800 Tulpenarten und zahlreiche Narzissen, Hyazinthen, Orchideen und Krokusse. Bestaunt werden können die farbenfrohen und duftenden Arrangements dabei nicht nur auf den vielen Wiesen, sondern auch in mehreren großen Pavillons mit Blumen-Shows und thematischen Ausstellungen. Der beliebteste Platz zum Entspannen ist sicherlich die Wiese vor der großen Windmühle, die sich seit 1957 im Park befindet.

Die Mühle selbst ist kostenlos zugänglich und bietet von oben freie Sicht auf die externen Blumenzwiebelfelder. Direkt darunter befindet sich die Anlegestelle der sogenannten „Flüsterboote“, die mehrmals am Tag mit geräuschlosen, elektrisch angetriebenen Motoren zwischen den Feldern rund um den Keukenhof fahren. Während der 45-minütigen Tour erfahren die Passagiere interessante Fakten aus der Geschichte des Tulpenanbaus. Für gute Stimmung sorgen im Keukenhof unter anderem auch eine Musikkapelle und ein Streichelzoo. Wissenswert ist noch, dass im gesamten Park kein Bargeld akzeptiert wird und nur am Tag des Blumenkorsos der Wiedereinlass gestattet ist.

Für den Besuch im nächsten Jahr empfehle ich, den Keukenhof ungefähr 45 bis 60 min vor Beginn der Parade zu verlassen, um noch einen brauchbaren Platz am Straßenrand zu ergattern. Kleiner Tip: Die beste Sicht hat man von der Wiesenseite der Straße aus, denn diese ist erhöht und bietet somit einen guten Gesamtüberblick. Insgesamt sollte man für den Blumenkorso rund 2 Stunden Zeit einplanen. Die Moderation erfolgt unter anderem auch in deutscher Sprache. In diesem Jahr bestand die Parade aus 16 Hauptwagen, die von 3.500 freiwilligen ehrenamtlichen Helfern gestaltet wurden. Begleitet wurden diese Wagen von mehreren Musikkapellen und zahlreichen geschmückten Luxus- und Sonderautos, die zum Teil von Sponsoren stammten. Kommerziell wurde es auch, als den Besuchern zwischendurch der Kauf von Stroopwaffel-Tüten angeboten wurde. Ebenso konnte man Programmhefte erwerben und somit den gemeinnützigen Verein unterstützen, der die Parade ausrichtet.

Wer den Keukenhof am Tag des Blumenkorsos besuchen möchte, sollte die Karten für den Park unbedingt rechtzeitig im Vorfeld kaufen. Zumindest in diesem Jahr war der Andrang nämlich so groß, dass am 23. April selber keine Tickets mehr erhältlich waren. Generell empfiehlt es sich für jeden Besuch, Kombi-Tickets zu erwerben, bei denen die Hin- und Rückfahrt gleich mit enthalten ist. Von Amsterdam aus fahren zwei Shuttle-Busse ohne Zwischenhalt zum Keukenhof: die Linie 852 vom Messe- und Kongresszentrum RAI und die Linie 858 vom Flughafen Schiphol. Für Amsterdam-Besucher ist es taktisch klüger, die Linie 852 zu nehmen, auch wenn diese 4 Euro teurer ist. Denn anders als der Flughafen befindet sich das RAI in Amsterdam und ist somit im Rahmen des ÖPNV erreichbar - ein Vorteil gerade für Leute mit Mehrtageskarten, denn bei denen nimmt der Preis pro Tag stetig ab, je länger die Gültigkeitsdauer ist.

Der Flughafen Schiphol dagegen befindet sich außerhalb des Amsterdamer ÖPNV und verursacht Zusatzkosten für den Zug oder den Airport-Express-Bus 397. Nicht zu unterschätzen ist auch der Andrang, der am Flughafen mutmaßlich größer ist als am Kongresszentrum RAI. Nicht ohne Grund ist auf den Tickets für die Shuttle-Busse zum Keukenhof der Hinweis vermerkt, dass auch alle Busse genutzt werden können, die 60 Minuten vor und 60 Minuten nach dem gewählten Zeitfenster abfahren. Gerade am Flughafen Schiphol wird die Warteschlange nämlich schnell über 300 Meter lang, zumindest war das dieses Jahr am Tag des Blumenkorsos der Fall. Hier ist es ratsam, schon gegen 09:30 Uhr da zu sein, denn ab 10 Uhr wurde es deutlich voller, sodass die Wartezeit zwischen 45 und 60 Minuten betrug. Bei mir war es leider auch so, dass die Busse zunächst planmäßig alle 10 Minuten fuhren, dann aber - als ich endlich ganz vorne in der Schlange stand - für 50 Minuten gar kein Bus mehr kam. Über die Gründe dafür kann ich nur spekulieren, denn eine Information seitens der Servicemitarbeiter gab es nicht. Und der Bus, der schließlich unter dem tosenden Applaus der wartenden Menge ankam, fuhr auch nicht wie angekündigt 25 Minuten, sondern 60 Minuten! 25 Minuten waren es nur bei der Rückfahrt. Aus diesen drei Gründen (Warteschlange, Bus-Ausfall und eventuell längere Fahrzeit) würde ich jedem raten, eine möglichst frühe Abfahrtszeit zu wählen.

Die ganzen Verzögerungen können nämlich viel Zeit kosten, die dann am Ende fehlt - gerade, wenn der Besuch im Keukenhof auch noch vom Blumenkorso unterbrochen werden soll. Die Shuttle-Busse selbst werden von einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn betrieben (Arriva) und sind entweder Reisebusse oder normale ÖPNV-Linienbusse. Was mir unangenehm auffiel: Obwohl das Corona-Virus immer noch präsent ist, wurden so viele Leute in den Bus hineingelassen, dass die Türen gerade noch irgendwie zugingen. Öffenbare Fenster gab es keine. Auch wenn in Holland alle Corona-Regeln aufgehoben sind und somit keine Maskenpflicht gilt, wirkte es doch sehr befremdlich, dass so gut wie niemand zumindest freiwillig eine Maske trug. Eine Beobachtung, die ich auch in der Warteschlange, im Keukenhof und während des Blumenkorsos gemacht habe. Bezogen auf die Busse wäre es wohl besser gewesen, wenn sich die Anzahl der Passagiere nach der Anzahl der Sitzplätze gerichtet hätte.

                                                                                                     Text und Fotos (8): Daniel Marschner

www.keukenhof.nl/de

 

Der Bustourismus weiter im Aufwärtsgang - aber auch am Scheideweg

Manfred  Weghenkel

Das ABACUS Tierparkhotel Berlin, wo der Medientreff zum Bustourismus stattfand, wird gerne von Reiseveranstaltern angesteuert. Foto: Manfred WeghenkelDas ABACUS Tierparkhotel Berlin, wo der Medientreff zum Bustourismus stattfand, wird gerne von Reiseveranstaltern angesteuert. Foto: Manfred WeghenkelBerlin, im Juli 2019. Die Reisebusse auf unseren Autobahnen sind bunter geworden. Zwar dominieren noch immer die recht umwetfreundlich wirkenden grünen Karossen des in München und Berlin ansässigen absoluten Marktführers FlixBus, doch neuerdings rollen auch trikolorengerecht blau-weiß-rot lackierte Fernbusse des französischen Anbieters BlaBlaBus und pinkfarbene Fahrzeuge des Kölner Start-ups Pinkbus über die Straßen. Der scharfe Wettbewerb um die Gunst der Reisenden - insonderheit über den Fahrpreis - ist erfreulicherweise nach wie vor im Gange. Das war freilich nur ein Aspekt des gelungenen Medientreffs, den die Reisejournalisten-Vereinigung CTOUR und der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (bdo) Anfang Juli im ABACUS Tierparkhotel Berlin gemeinsam veranstalteten. Schon das Motto „Zwischen Aufbruchsstimmung und bürokratischen Bremsklötzen: Bustourismus am Scheideweg“ ließ erkennen, dass hier zu Beginn der Reisesaison durchaus harte Themen auf der Agenda standen.

Anja Ludwig vom bdo und Patrick Kurth von FlixBus (r.) mit dem Autor dieser Zeilen Manfred Weghenkel von CTOUR. Foto: Peter ThieleAnja Ludwig vom bdo und Patrick Kurth von FlixBus (r.) mit dem Autor dieser Zeilen Manfred Weghenkel von CTOUR. Foto: Peter ThieleDer bdo ist der Dachverband der deutschen Busbranche und vertritt gegenüber Politik und Öffentlichkeit auf nationaler und internationaler Ebene - hier gemeinsam mit der International Road Transport Union (IRU) - die Interessen von rund 3.000 privaten und mittelständischen Unternehmen aus den Bereichen Personennahverkehr, Bustouristik und Fernlinienbus. Unter dem Dach des bdo arbeiten In Deutschland 14 Landesverbände.

Für den Verband präsentierten die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin Anja Ludwig, die Referentin Touristik und Statistik Nina Jaschke und Christian Wahl, Referent Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, interessante Zahlen, Daten und Fakten zu Busreisen und aktuelle Trends im Markt. Auch sprachen sie über die Busbranche betreffende aktuelle politische Entwicklungen in Deutschland und Europa.

Gleichsam als "Stimme des Mittelstandes" sagte Christian Wahl: "Die private Busbranche in Deutschland besteht zum Großteil aus kleineren und mittleren Unternehmen, die oftmals schon über Generationen hinweg in Familienhand liegen. Als Mittelstand genießen die Mitglieder in Sonntagsreden hohes Ansehen. Aber nicht unbedingt bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen. So wird der Mittelstand im Verkehrsgewerbe durch bürokratische Hürden etwa im grenzüberschreitenden Verkehr oder Anforderungen wie die in der EU geltende neue Datenschutz- Grundverordnung (DSGVO) unverhältnismäßig stark belastet." Gleiches gelte für den tiefgreifenden Wandel durch die Digitalisierung der Geschäftsprozesse und eine "Antriebswende" bei den Fahrzeugen.

Der ABACUS-Konferenzsalon "Eagle" bot den passenden Rahmen für den gut besuchten Medientreff. Foto: Manfred WeghenkelDer ABACUS-Konferenzsalon "Eagle" bot den passenden Rahmen für den gut besuchten Medientreff. Foto: Manfred WeghenkelAuf den Titel des Medientreffs "Bustourismus am Scheideweg" näher eingehend, erklärte Christian Wahl: "Die Fahrzeugtechnik hat sich in den zurückliegenden 25 Jahren dramatisch weiterentwickelt. Hinsichtlich Sicherheit und Umweltbilanz beispielsweise gab es Quantensprünge. Dennoch wird oft noch falsch von 'Dieselstinkern' und hohen Unfallgefahren geschrieben." Der bdo-Vertreter verwies auch auf die 2013 begonnene Fernbusliberalisierung, durch die völlig neue Fahrgastgruppen gewonnen werden konnten. Die Mobilität der Menschen verändere sich derzeit grundlegend - unter anderem durch neue Antriebstechnologien und digitale Möglichkeiten. Das Fazit Wahls: "Der Bus kann als umweltfreundlicher und flexibler Verkehrsträger eine wichtige Rolle im Mobilitäts-Mix spielen. Aber trotzdem wachsen die bürokratischen Hürden für Busunternehmen. In der Politik genießen Mittelstand und Bustourismus keine Priorität."

Angesichts einiger schwerer Busunfälle in letzter Zeit waren die Tourismusjournalisten natürlich auch gespannt darauf, wie der bdo die "Sicherheitslage" einschätze. Dazu Christian Wahl: "Der Bus ist das sicherste Straßenverkehrsmittel. Die Wahrscheinlichkeit, in einem Bus durch Unfall verletzt zu werden, ist 14 Mal geringer als in einem Pkw. Für den TÜV Bus-Report 2018 wurden 15.000 Prüfungen ausgewertet. Die Quote der nicht verkehrssicheren Fahrzeuge lag bei 0,0 Prozent." Nun ja, bleibt zu hoffen, dass uns - den Fahrgästen - Unfälle mit Omnibussen erspart bleiben und wir - die Journalisten - keine Meldungen / Berichte über Busunfälle veröffentlichen müssen.

Touristik-Referentin Nina Jaschke bei ihrem mit vielen Grafiken angereicherten Vortrag. Foto: Manfred WeghenkelTouristik-Referentin Nina Jaschke bei ihrem mit vielen Grafiken angereicherten Vortrag. Foto: Manfred WeghenkelDie auch statistisch versierte Touristik-Referentin Nina Jaschke nannte einige aufschlussreiche Fakten: In Deutschland gibt es rund 4.200 Busunternehmen; davon sind rund 3.800 private Unternehmen. Im Liniennahverkehr sind 1.800 private Busunternehmen tätig, im Linienfernverkehr rund 60 und im Gelegenheitsverkehr etwa 3.600. Insgesamt wurden im Jahre 2017 rund 79 Millionen Fahrgäste im Gelegenheitsverkehr und 23 Millionen im Fernlinienverkehr befördert. Der Linienfernverkehr wird zu 80 Prozent touristisch genutzt, d. h. von den 23 Millionen Passagieren waren 18,4 Millionen Touristen und Urlauber. Anmerkung zum Begriff "Gelegenheitsverkehr": Er kommt aus dem Personenbeförderungsrecht und meint die Beförderung von Personen in Bussen und Pkw, die nicht im Linienverkehr erfolgt.

Weitere Eckdaten zum Bustourismus: Der jährliche Bruttoumsatz beträgt 14,3 Milliarden Euro. Für 238.000 Menschen bildet dieser Zweig die Existenzgrundlage, wobei ein Arbeitsplatz im Busunternehmen fünf zusätzliche Arbeitplätze in anderen Betrieben bedeutet. Zudem verwies Nina Jaschke darauf: "Bis zu 50 Prozent des bustouristischen Bruttoumsatzes bleiben in den Urlaubsregionen!"

Ausgehend von der bdo-Konjunkturumfrage 2019, beschrieb Nina Jaschke ausführlich die "Sorgen und Herausforderungen der Bustouristk", als da vor allem sind: ausufernde Bürokratrie(monster), drohende Dieselfahrverbote und Mautregelungen, Fahrermangel, Pauschalreiserichtlinie, Besteuerungsfragen, Einfahrtsgebühren oder -beschränkungen in europäischen Großstädten und Ballungszentren. Besonders verbreitet sei das in Italien. Frankreich erhebe horrende Parkgebühren. Und in Holland dürften Reisebusse nur noch bestimmte Straßen befahren.

Die bdo-Referentin erläuterte an Hand von Zahlen, dass der Fernbus bei Schadstoffemissionen und Verbrauch auf Bestwerte verweisen kann. Auch bei den Umweltkosten liege der Fernreisebus ganz vorne. Somit sei der Bustourismus klimafreundlich und nachhaltig und trage somit zur notwendigen Verkehrswende bei.

bdo-Pressemann Christian Wahl. Foto: Peter Thielebdo-Pressemann Christian Wahl. Foto: Peter Thiele

 bdo-Spitzenfrau Anja Ludwig. Foto: Peter Thiele bdo-Spitzenfrau Anja Ludwig. Foto: Peter ThieleZum Stichwort "ausufernde Bürokratie", die zu einem steigenden administrativen Aufwand führe, sagte sie: "Sowohl nationale, aber auch EU-weite Regelungen führen zu mehr 'Papierkram' und hintern den Unternehmer an seinem eigentlichen Kerngeschäft - Reiseerlebnisse zu kreieren und zu realisieren". Im Ergebnis führe das dazu, dass sich kleine Unternehmen auf wenige Auslandsdestinationen beschränken müssen, um den steigenden administrativen Aufwand händeln zu können. Oder sie müssten ihr Geschäft komplett aufgeben. Übrigens, die Zahl der privaten Busunternehmen sei aus verschiedensten Gründen zwischen 2000 und 2017 um rund 38 Prozent zurückgegangen.

Die stellvertretende bdo-Hauptgeschäftsführerin Anja Ludwig befasste sich in ihrem Statement ausführlich mit dem "EU Mobility Package", das von der EU-Kommission vor zwei Jahren mit umfangreichen Neuregelungen für den Straßenverkehr (Güter und Personen) vorgelegt wurde. Dazu gehören auch neue CO2-Grenzwerte für schwere Nutzfahrzeuge. Inzwischen habe das EU-Parlament auf Basis dieses Paketes drei quasi busfeindliche Beschlüsse gefasst: Zwangsmaut für Busse (ohne Belastung von Pkw) durch Eurovignette, praxisuntaugliche Lenk- und Ruhezeiten, Entscheidung gegen die Stärkung des Fernbusses. Anja Ludwig, erfahrene Rechtsanwältin,  schilderte das langwierige zähe Ringen in Brüssel und Straßburg um busaffine Lösungen und betonte: "Die Verhandlungen im Rat und später im Trilog sind entscheidend für unsere Branche. Wir brauchen Kompromisse, welche die Besonderheiten des Bussektors berücksichtigen. Und zwar für die Fahrgäste, für die Fahrer und für unsere Unternehmen." Den Blick nach vorne gerichtet, erklärte die engagierte bdo-Repräsentantin: "Unsere Sisyphusarbeit geht weiter. Die Gemengelage in Europa ist und bleibt kompliziert. Sehr wichtig ist dabei das enge Zusammenwirken mit dem internationalen Verband IRU."

Auch die FlixBus-Manager Patrick Kurth, David Krebs und Fiete Starck (v.l.n.r.) debattierten mit. Foto: Manfred WeghenkelAuch die FlixBus-Manager Patrick Kurth, David Krebs und Fiete Starck (v.l.n.r.) debattierten mit. Foto: Manfred WeghenkelDie rege Diskussion im Anschluss an die informativen bdo-Präsentationen widerspiegelte das große Interesse der CTOURianer am Thema Busbranche und -touristik. So zollte Dr. Michael Krause, seit 1990 als Reiseleiter im Busgeschäft tätig, dem Spitzenverband bdo ein dickes Lob für die vielfältigen Aktivitäten und Anstrengungen zugunsten der Busbranche, die er generell als "flexibel und kreativ" einschätzte. Zugleich wünschte er sich noch stärkeren Einsatz, um die Arbeitsbedingungen für Busfahrer und Reiseleiter zu verbessern. Filmemacher Konrad Herrmann regte an, den Vergleich mit anderen Ländern für die hiesige Busbranche verstärkte nutzbar zu machen. Auch Verkehrsexperte Fred Hafner plädierte dafür und ermunterte den bdo, die Kooperation mit ausländischen Partnerverbänden zu intensivieren. Die relativ neuen CTOUR-Mitglieder Volker Neef und Wolfgang Kömpel entwickelten Gedanken, wie dem Fachkräftemangel, insbesondere bei Busfahrern, abgeholfen werden kann.

Eine der legeren Runden beim abschließenden Get-together. Foto: Peter ThieleEine der legeren Runden beim abschließenden Get-together. Foto: Peter ThielePatrick Kurth, Leiter Politik bei FlixBus, erläuterte unter dem Stichwort "Der Bus ist sexy" ein wenig die erfolgreiche Philosophie  seines Unternehmens, das ja mit 95 Prozent Marktanteil bei Fernbusreisen ein ganz großer Player der Branche geworden ist. FlixBus stelle sich aber auch den aktuellen Herausforderungen, die durch neue Mitbewerber wie Bla-Bla-Bus (Frankreich) und Pinkbus (Köln) aufgekommen sind. Und schließlich erläuterte der Manager den der Umwelt zuliebe stattfindenden Wandel bei den Antriebstechniken: vom bereits spürbar verbesserten Dieselmotor (Schadstoffklasse Euro VI) über den Elektro- bzw. Hybridantrieb bis zur Wasserstoff-Technik. Kurth bedauerte, dass die deutschen Fahrzeughersteller bei praxistauglichen E-Reisebussen im Nachtrab seien, so dass FlixBus für seine 2018 gestarteten Erprobungslinien in Frankreich und Deutschland Elektrobusse aus China beziehen musste. Fiete Starck, ebenfalls FlixBus, ging auf die Nationale Tourismusstrategie der Bundesregierung ein und begrüßte, dass der bdo  dazu klare Forderungen aus Sicht des Busbranche aufgestellt hat. FlixBus erwarte, den  Fernbus als klimafreundliches Verkehrsmittel vor allem zur Anbindung der ländlichen Regionen angemessen zu berücksichtigen.

Fortgesetzt wurden die Kontakte und Gespräche  bei einem lockeren und leckeren Get- together.

Schon jetzt vormerken: die nächste große Spezialmesse BUS2BUS im April 2021, auf der auch wieder die neuesten Busmodelle aus dem In- und Ausland gezeigt werden. Foto: Manfred WeghenkelSchon jetzt vormerken: die nächste große Spezialmesse BUS2BUS im April 2021, auf der auch wieder die neuesten Busmodelle aus dem In- und Ausland gezeigt werden. Foto: Manfred Weghenkel

 "Nächster Stop: Zukunft". Unter diesem Motto veranstalteten im März 2019 die Messe Berlin und der bdo zum zweiten Mal gemeinsam das große Bus-Event "BUS2BUS" als Fachmesse und Kongress. Über 100 Aussteller aus 13 Ländern, darunter namhafte Bushersteller und Komponentenanbieter, bedeuteten Teilnahmerekord und gewachsene internationale Anziehungskraft der alle zwei Jahre stattfindenden Leistungsschau der Busbranche. Der nächste Stop: Zukunft ist für den 13. bis 15. April 2021 terminiert.

                                                                          Text und Fotos: Manfred Weghenkel (5),   Peter Thiele (4)

 

Weitere Informationen:

Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (bdo) e. V. Reinhardtstraße 25 I 10117 Berlin

E-Mail: info@bdo.org.de I Web: www-bdo.org.de

 

Bahn und Bus - Partner oder Rivalen beim Reisen?

Auf dem Podium (v.l.n.r.): Dr. Heike van Hoorn, Michael Donath, Dr. Michael Peterson, Moderator Peter Neumann, André Schwämmlein, Christoph Gipp.Auf dem Podium (v.l.n.r.): Dr. Heike van Hoorn, Michael Donath, Dr. Michael Peterson, Moderator Peter Neumann, André Schwämmlein, Christoph Gipp.Wenn Spitzenmanager von Bahn und Bus öffentlich aufeinander treffen - was so häufig nicht passiert - muss es nicht unbedingt zu einem Crash kommen. Das mit 60 Teilnehmern sehr gut besuchte Medienforum am 13. März, veranstaltet vom unabhängigen und freien TourismusDialog.Berlin, zum spannenden Thema "Bahn und Bus - Partner oder Rivalen beim Reisen?" jedenfalls fand trotz unterschiedlicher Interessenlagen in eher lockerer, entspannter Atmosphäre statt. Auf dem Podium im eleganten Hotel "Park Inn" am Berliner Alexanderplatz diskutierten FlixBus-Geschäftsführer André Schwämmlein und Dr. Michael Peterson, Marketingvorstand im Fernverkehr der DB AG, über Bilanz und Perspektiven des öffentlichen Fernlinienverkehrs. Mit von der Partie waren auch die Geschäftsführerin des Deutschen Verkehrsforums, Dr. Heike van Hoorn, der auf Mobilität spezialisierte Bundestagsabgeordnete Michael Donath (CDU) und Christoph Gipp, Geschäftsführer am renommierten IGES Institutes Berlin. Moderator Peter Neumann von der Berliner Zeitung nannte ihn "den Fachmann, den man anrufen muss, wenn es um übergreifende Infos, Trends und Einschätzungen im Fernbusgeschäft geht".

Christoph Gipp, IGES Institut Berlin.Christoph Gipp, IGES Institut Berlin.

 Moderator Peter Neumann, Berliner Zeitung.Moderator Peter Neumann, Berliner Zeitung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zunächst ging es angesichts stagnierender bzw. 2017 sogar leicht rückläufiger Fahrgastzahlen um die Frage: Ist der Fernbusboom vorbei? Christoph Gipp dazu: "Ich glaube nicht. Wir haben seit vier-fünf Jahren ein sehr starkes Wachstum erlebt. Sicher hat sich der Markt inzwischen konsolidiert. Doch was die Zahl der Passagiere angeht, ist weiter mit einem moderaten Wachstum zu rechnen." Der Experte sieht darin sogar etwas Positives. "Denn wachsende Passagierzahlen führen zu einer besseren Auslastung der Fahrzeuge, was positiv für die Unternehmen ist, die ja den Busverkehr wirtschaftlich betreiben wollen."

Auf den gesamten Verkehrsmarkt eingehend, wies der IGES-Geschäftsführer darauf hin: "Der Marktführer heißt Auto." Nach dem privaten Pkw, der gut 80 Prozent Marktanteil habe, komme lange nichts. Es folgten die Bahn (Nah- und Fernverkehr), danach das Flugzeug. Erst dann komme der Fernbus, der ebenso wie die Bahn zum Bereich des zu fördernden öffentlichen Verkehrs gehöre. Das sei aber in einigen Kommunen und Ländern offenbar noch nicht angekommen. Auf jeden Fall habe es keine "Kannibalisierungswelle" Fernbus gegen Bahn gegeben.

Dr. Michael Peterson, DB AG.Dr. Michael Peterson, DB AG.Mit diesem Gedanken konnte sich auch der DB-Repräsentant Dr. Michael Peterson anfreunden. Eindeutiger Hauptkonkurrent sowohl der Bahn als auch der Busbranche sei der individuelle Autoverkehr. Konsequenz: Dem Pkw sollten Marktanteile zugunsten der komfortablen und umweltfreundlichen Verkehrsträger Bahn und Bus entzogen werden. Die DB AG habe die Herausforderungen des liberalisierten Fernbusverkehrs angenommen und sich darauf eingestellt. "Wir haben stark daran gearbeitet, unsere Angebote attraktiver zu machen, mehr Verbindungen zu schaffen, die Takte zu verkürzen, neue, bessere ICE-Züge einzusetzen, Komfort und Service zu erhöhen, aber auch das Preisspektrum zu erweitern." Dr. Peterson verwies z. B. auf die neue Schnellstrecke Berlin - München mit einer Fahrzeit unter 4 Stunden und auf die Tatsache, dass alle ICE seit Jahresbeginn zu 100 Prozent mit Ökostrom fahren. Das Resümee des Bahnmanagers: "Wir haben seit Jahren steigende Fahrgastzahlen und steigende Umsätze."

André Schwämmlein, FllixBus.André Schwämmlein, FllixBus.Überaus zufrieden mit der bisherigen Entwicklung zeigt sich auch FlixBus-Chef André Schwämmlein. Nach dem "Geheimnis" befragt, wie der ungewöhnlich Marktanteil  von über 93 Prozent im Fernbusgeschäft erreicht werden konnte, sagte er - sicher nicht allumfassend: "Der Markt ist sehr schwierig und auch sehr anders als bisher im Verkehrssektor gewohnt. Vielleicht haben wir einen anderen Ansatz und andere Visionen. Wir sehen den Fernbus nicht nur national, sondern auch im größeren Rahmen der europäischen Verkehrsvernetzung." Ein wichtiger Erfolgsfaktor sei zweifellos die intensive Kooperation mit mittelständischen Busunternehmen. FlixBus betrachte seine zahlreichen Partner nicht nur als Subunternehmer, sondern als "Unternehmer an unserer Seite". Schwämmlein widersprach dem immer mal wieder - diesmal vom Moderator - zu hörenden Vorwurf, das Geschäftsmodell von FlixBus beruhe darauf, das Risiko zum großen Teil auf die mittelständischen Partner auszulagern. Der FlixBus-Mann: "Tatsache ist, dass wir uns stets auch das Risiko geteilt haben."  

André Schwämmlein bilanzierte: "Bus und Bahn ist es gelungen, über 30 Millionen Menschen, die vor fünf Jahren noch nicht am öffentlichen Fernverkehr teilgenommen haben, für ihre Angebote zu gewinnen. Beide Verkehrsträger haben eine bessere Alternative zum privaten Auto geschaffen und dadurch den Markt erweitert." Nach dieser Bewertung nimmt es nicht wunder, wenn der Geschäftsführer von FlixBus das Verhältnis zur Bahn so einschätzt: "Als Mitbewerber müssen wir keine Freunde sein, aber wir arbeiten quasi an dem gleichen großen Ziel, mehr Menschen für den öffentlichen Verkehr zu begeistern."

Dr. Heike van Hoorn, Deutsches Verkehrsforum, und Michael Donath, MdB.Dr. Heike van Hoorn, Deutsches Verkehrsforum, und Michael Donath, MdB.Natürlich ging der FlixBus-Chef auch kurz auf die beiden jüngst verkündeten spektakulären Projekte seines Unternehmens ein: ab März mit dem "FlixTrain" selbst ins deutsche Bahngeschäft einzusteigen und Ende April in Frankreich den ersten, aus chinesischer Produktion (Marke Yutong) stammenden  Elektro-Bus im Linienbetrieb über etwa 150 Kilometer zwischen Paris und Amiens zu erproben. Später sollen auch in Deutschland emissionsfreie E-Busse getestet werden. André Schwämmlein: "Wir wollen damit innovative Akzente setzen - sowohl für den E-Bus als auch für die Busbranche." Das solle auch optisch erkennbar sein, denn der neue E-Bus werde "noch etwas grüner" als die bekannten FlixBusse. Ein weiterer Bus-Frühling scheint nun wirklich anzurollen...

Großes Interesse am Thema Mobilität: Das Medienforum war recht ordentlich besucht.Großes Interesse am Thema Mobilität: Das Medienforum war recht ordentlich besucht.Der aus Baden-Württemberg stammende Parlamentarier Michael Donath bezeichnete die Entwicklung des Fernbussektors als "großen Erfolg für die Mobilität in unserem Land". Angesichts dessen, dass es gelungen sei, mehr Menschen für den Bus zu gewinnen, schätzte er ein: "Ein Drittel der Fernbus-Fahrgäste kommen vom Auto, ein Drittel von der Bahn und ein Drittel sind Neukunden - also Menschen, die aus verschiedensten Gründen bisher gar nicht reisten." Und die Geschäftsführerin des Deutschen Verkehrsforums Dr. Heike van Hoorn bekräftigte: "Die Marktöffnung war richtig und wichtig. Mit dem Fernbus ist ein  weiteres Verkehrsmittel hinzu gekommen, das attraktiv, bequem und ökologisch nachhaltig ist. Genau darin liegen auch seine Zukunftschancen."                        

                                                                       Text und Fotos (7) : Manfred Weghenkel

 

K u l t u rK u l t u rL i f e s t y l eL i f e s t y l e   R e i s eR e i s e